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DoktortitelVon Tsetsefliegen bis hin zum Bodymaß

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Rhein-Sieg – Meist abends, wenn er aus dem Stall kam, arbeitete er an seiner 150-seitigen Dissertation. Drei Jahre hat Landwirt Dr. Christoph Lüpschen aus Lohmar für seine Doktorarbeit gebraucht. 1996 promovierte er im Fach Agrarwissenschaften. Dabei ging es um etwas, was entfernt mit dem Body-Maß-Index vergleichbar ist, einer Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße. Bei ihm ging es um den „Body-Conditioning-Score-Test“ und zwar „im Hinblick auf das Partus-Syndrom“. Tatsächlich kann man damit Krankheiten um den Geburtszeitraum von Rindvieh einschätzen und durch spezielle Fütterung Einfluss nehmen. Abschreiben konnte er nicht. Im Gegenteil, er musste sich 1700 Kühe in unterschiedlichsten Ställen angucken. Er hat damals untersucht, ob die in Kanada gängige Methode auf Deutschland übertragbar sei. Heute wird sie in allen Landwirtschaftsschulen Europas gelehrt.

Noch vor einer Woche, so sagt Dr. Manuela Giannetti nicht ohne Stolz, hat der frühere Kölner Zoodirektor (1981 bis 2007) Professor Gunther Nogge ihre Doktorarbeit bei einem Besuch in Tansania erwähnt. 1981 hat die Biologin im Alter von 24 Jahren eine immunologische Arbeit über Tsetsefliegen geschrieben. Sie sind die Überträger der für Menschen und ganz besonders für Tiere gefährlichen und oft tödlichen Schlafkrankheit. Drei Jahre brauchte die heutige Lohmarer Umweltbeauftragte und Leiterin der Naturschule Aggerbogen für ihre Arbeit, die sie (Respekt!) parallel zu erstem und zweitem Staatsexamen sowie Referendariat als Lehramtsanwärterin (Biologie / Kunst) bewältigte. Finanzielle Unterstützung hatte sie als Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Deutschen Forschungsgesellschaft. Ihre Arbeit war so gut, dass die weltweit führende naturwissenschaftliche Zeitung „Science“ auf zwei Seiten über sie berichtete. Sie fand eine Methode, Antikörper in der Tsetsefliege als Wirtstier zu platzieren. Leider funktioniert das nur, wenn man einer Fliege einen so präparierten Blutstropfen direkt vorsetzt. Und das kann man eben nicht mit allen umherschwirrenden Tsetsefliegen in Afrika machen.

Ein Hotelbesitzer mit Doktortitel - das ist im Gaststättengewerbe eine Ausnahme. Dr. Bernd Kessel trägt den Titel seit 1997. Der Diplom-Kaufmann, der den „Schützenhof“ in Eitorf-Alzenbach von seinen Eltern übernahm, hat in Siegen studiert, in der Mindeststudienzeit von acht Semestern, wie er sich mit gewissem Stolz erinnert. „Dann war es relativ leicht, denn ich hatte sofort einen Doktorvater und ein Thema, das aus meiner Diplom-Arbeit teilweise hervorging. ,Leveraged By-out der AG bezeichnet eine hohe Fremdkapitalisierung beim Kauf von Unternehmen.“ Die „hohe Relevanz für die Praxis“ reizte Kessel, zudem er damals nicht sicher war, ob er den elterlichen Betrieb weiterführen sollte. „Im Investmentbanking hätte ich mit dieser Qualifikation gute Chancen gehabt.“ Fünf Jahre arbeitete Kessel an seiner Dissertation. Tagsüber arbeitete er zehn, zwölf Stunden im Hotel, abends noch drei bis vier Stunden an der Doktorarbeit, die etwas über 200 Seiten umfasst.

So viel sind es auch bei Dr. Maria Linsmann-Dege, die 1988 ihre Doktorarbeit „Schriftähnliche Zeichen und Strukturen in der Kunst des 20. Jahrhunderts“ abschloss. Die Leiterin des Bilderbuchmuseums Troisdorf erinnert sich noch an die Freude darüber, „als meine Freunde nach dem erfolgreichen Rigorosum mir einen selbst gebastelten Doktorhut aufsetzten“. Die Arbeit am Thema selbst fand sie „spannend und schön. Da konnte man noch einmal die gesamte Moderne Revue passieren lassen.“ Auch die Rahmenbedingungen stimmten für die Kunststudentin aus Aachen: „Ich arbeitet damals drei Tage in einer Galerie in Düsseldorf, in der wenig Publikumsverkehr war.“