REICHSHOF. Für Cher sind sie schlicht die Größten, für Lenny Krawitz und Janet Jackson sowieso. Und seit dem Bundestagswahlkampf schwärmen auch die Partei Bündnis 90 / Die Grünen und ihr Spitzenkandidat Bundesaußenminister Joschka Fischer von ihnen.
Wer sich und sein Team luxuriös und zuverlässig zugleich zwischen Spitzbergen und Sizilien, von Moskau bis Lissabon, chauffieren lassen möchte, kennt dafür seit zehn Jahren die Telefonnummer mit der Reichshofer Vorwahl, unter der sich Chris Hahne von der Coach und Trucking Service in Wehnrath meldet.
Keine Stunde vergeht ohne den Anruf mindestens einer Agentur, die für einen Popstar gerade eine Tournee vorbereitet. „Drei Busse für zwei Wochen im November durch Dänemark und Schweden?“ Hahne nickt, trägt die Belegungszeit im PC ein. Das war’s.
Große Namen des Showbiz und deren vielleicht skurrilen Wünsche irritieren Hahne längst nicht mehr. Herbert Grönemeyer war mit sechs Bussen unterwegs, die Back Street Boys brachten es auf 15 Busse bei ihrer Deutschland-Tour. Cher bestand auf den Einbau des Doppelbettes aus ihrem New Yorker Appartement und Lenny Krawitz wollte eine komplette Küche, in der sein mitgebrachter Koch die Spezialdiät zubereitete.
1985 war kein gutes Jahr für Chris Hahne. Aus seinem Dorf im Harz war er in die Großstadt Berlin umgezogen, aber nach kurzer Tätigkeit als Reisebusfahrer wurde er arbeitslos. Als ihm dann das Angebot gemacht wurde, den Rock-Sänger Rio Reiser per Bus von Auftritt zu Auftritt zu fahren, nahm er an.
„Reiser mochte mich und ich wusste, dass ich den Umgang mit den Show-Stars mochte“, erzählt Hahne. Nach Köln umgesiedelt, trat er in die Dienste eines dortigen Tournee-Busveranstalters. Während eines Thailand-Urlaubs traf Hahne am Strand auf den Lkw-Vermieter Hanno Elmar. „Wir beschlossen uns zusammen selbstständig zu machen.“
Die Firma war 1992 kaum gegründet, da klingelte bei Hahne erstmals das Telefon. Es galt Uwe Ochsenknecht, die technische Ausstattung und das Personal auf Deutschland-Tournee zu schicken. „Dafür musste ich mir erst mal einen Bus mieten“, lacht Hahne. Inzwischen besitzt das Unternehmen 22 eigene ein- und doppelstöckige Busse, hält ständig weitere 20 Busse unter Vertrag und verfügt über 22 Lkw. „Damit sind wir die Nr. 1 in Europa. Weltweit hinter einem Kalifornier Milliardär auf Platz 2.“ Jeder der bis zu 500 PS starken Busse läuft an mindestens 250 Tagen des Jahres.
Hahne erkannte schnell, was Künstler wie Tina Turner, Peter Maffay und DJ Bobo und deren technisches Personal brauchen: „Ein Zuhause auf Zeit und auf Rädern.“ Wenn die Technik nach der Showbühne abgebaut ist, will das Team nur noch abschalten und schlafen. „Deshalb haben wir die Busse mit Holz und Leder in fahrende Wohnzimmer verwandelt.“
Mit digitalem Fernsehen und Sound-Anlagen vom Feinsten. Und mit bis zu 15 Etagenbetten für die Nachfahrten zum nächsten Veranstaltungsort. Da kommen zu den 500 000 Euro Anschaffungskosten pro Bus locker weitere 250 000 Euro für die Ausstattung dazu.
Der „Night-Liner“ war erfunden. Chic im Innern, aber außen in schlichtem Silbergrau. Keine Werbebotschaft verrät, ob die Insassen Tontechniker der Toten Hosen, saudische Prinzen oder die leibhaftigen Rolling Stones sind.
Doch was die verwöhnte Klientel an das Wehnrather Unternehmen bindet sind ihre Fahrer. „Zwischen den beiden muss die Chemie stimmen.“ Die Fahrer sind geduldige Gesprächspartner, dezentes Zimmermädchen und weltläufiger Reiseprofi in einem. „Wenn man für drei Monate in U-Boot-Enge zusammenhockt, muss man einander vertrauen können.“
Das geht so weit, dass mancher der Stars nur mit bestimmten Fahrern auf Tour geht. Janet Jackson jedenfalls besteht auf Chris Hahne persönlich. Vielleicht, weil er immer ein Stück Schokolade für sie bereit hält, auch wenn's der Figur schaden mag.
„Unsere Fahrer kommen aus Australien, den USA und Holland. Wir könnten weitere fünf Fahrer gebrauchen, aber Männer mit den erforderlichen Eigenschaften gibt es nur wenige.“