Köln – Die Stimmung im Saal 210 ist zweigeteilt. Im Zuschauerraum sitzen mit nachdenklicher Miene Freunde und Bekannte der ermordeten Laura V. und Andres O. in einer kleinen Gruppe zusammen und reden leise. Im Verhandlungssaal scherzt ein Anwalt mit einem Dolmetscher - lautes Lachen ist zu hören. Als der mutmaßliche Mörder Mustafa Tilki zur Anklagebank geführt wird, verstummen die Gespräche und das Lachen. Es ist nur noch das Summen und Klicken der zahlreichen Kameras zu hören. Vor dem Landgericht wird seit Donnerstag der zweifache Mord von Braunsfeld aus dem vergangenen Jahr verhandelt. Der 42-jährige Tilki ist angeklagt, seine 29-jährige Ex-Freundin Laura V. und deren 34 Jahre alten Begleiter an der Scheidtweilerstraße mit sechs Schüssen ermordet zu haben. Laut Anklage konnte es der vierfache Familienvater nicht ertragen, dass sich die 29-Jährige von ihm getrennt hatte.
Anwalt: Mandant bereut die Tat
Zum Prozessauftakt sagte Tilkis Anwalt, dass sein Mandant die Tat zutiefst bereue. Der mutmaßliche Doppelmörder will sich aber offensichtlich im Prozess nicht selbst äußern. „Er wird zur Person aussagen“, sagte sein Anwalt. Grundsätzlich habe der 42-Jährige die Taten gestanden. „Ich erwarte eine gerechte Strafe, die nicht zu hoch ausfällt“, ergänzte der Verteidiger.
Nebenklageanwalt Thomas Gros äußerte sich nicht zu einem erwarteten Strafmaß, machte aber deutlich, wie brutal und entsetzlich die Bluttat war. „Beide wurden regelrecht hingerichtet“, sagte Gros. Mit gestrecktem Arm sei der Anklagte auf die Opfer zugegangen und hätte geschossen. Gegenüber den Ermittlungsbehörden habe der Beschuldigte von Notwehr gesprochen und gesagt, er hätte Laura V. nur ins Gesäß geschossen. In Wahrheit sei es „extreme Gewalt“ gewesen. Insgesamt habe die dramatische Tat genau 26 Sekunden gedauert. Auch Anwalt Gros betonte, dass sich die 29-Jährige von dem gewalttätigen Angeklagten trennen wollte. In den letzten beiden Jahren der Beziehung sei es häufig zu gewalttätigen Übergriffen gekommen. „Er hat sie geschlagen, getreten und vergewaltigt“, sagte Gros, der die Familie von Andres O. vertritt. Die Mutter des ermordeten 34-Jährigen wird am 7. September als Zeugin vor Gericht erwartet. Dafür reist die Mutter aus Chile an, wo Andres O. geboren wurde.
Die beiden Opfer arbeiteten in einer Kölner Sportagentur; der 34-Jährige war der direkte Vorgesetzte von Laura V. Die Mitarbeiterin hatte sich ihrem Vorgesetzten anvertraut und von den gravierenden Probleme mit Mustafa Tilki berichtet. Andres O. bot seine Hilfe an, hatte ihr ein Zimmer vermietet und beschützte die Frau am 25. November, als Tilki seine Ex-Geliebte abpasste.
Vier Tage später passte Tilki die beiden in Braunsfeld ab und schoss. Nach dem Angriff gab er seinen zuvor gemieteten Wagen wieder beim Händler ab und entwischte dabei der Polizei ganz knapp, hieß es aus Ermittlerkreisen. Sechs Wochen später wurde der 42-Jährige von Zielfahndern im französischen Narbonne festgenommen.
