ODENTHAL – Die Vögel zwitschern und die Sonne scheint. Beim Blick auf die Natur am Hof Selbach wird Julia-Maria Köhler ganz warm ums Herz: „Ich wohne im Berliner Süden, einem ländlichen Gebiet am Stadtrand. Dort habe ich Wald und Wasser vor Tür, da will ich nie mehr weg. Ich liebe es, wenn sich meine Hände bei der Gartenarbeit durch die Erde wühlen“, sagt die Schauspielerin und lobt das Bergische Land: „Beim Dreh sind hier alle total entspannt. Es herrscht fast schon Urlaubsstimmung.“
Komödie wird in der ARD ausgestrahlt
Sie dreht gerade für den WDR den Fernsehspielfilm „Holger sacht nix“. Noch bis Ende Mai ist die Filmcrew im Bergischen unterwegs, um die Komödie fertig zu stellen. Auf Hof Selbach kommen die Szenen in den Kasten, die im Film auf einem Bauernhof spielen.
Da bleibt den Schauspielern schon mal Zeit für einen kleinen Schwatz. So hat Tilo Prückner sich bei Pächterin Hubertine Johnen nach ihrem Geheimnis erkundigt, wie sie ihre prächtigen Blumen zum Blühen bringt. Dabei handelt es sich keineswegs um ein paar nette Worte, die der Schauspieler (Tatort, Adelheid und ihre Mörder) mit Johnen wechselt: „Ich habe selbst 20 Jahre lang einen Hof in Niederbayern geführt. Der war zu Beginn ganz schön heruntergekommen. Also habe ich ihn wieder aufgepäppelt.“ Vor allem die Obstbäume und Blumen haben es Prückner angetan. Mit dem Tipp von Johnen ist er aber nicht besonders glücklich: „Sie spricht viel mit den Pflanzen. Dafür bin ich allerdings zu ungeduldig.“
Prückner spielt den Bauern Holger Thiessen, dessen Tochter Olga (Julia-Maria Köhler) mit ihrem Sohn Theo (Sam Gerst) nach einem glücklosen Versuch in der großen Stadt wieder zu den Eltern zurückkehrt. Mutter Lilo (Carmen-Maja Antoni) freut sich, dass die Familie nach acht Jahren wieder komplett ist. Der Vater ist auch froh, hat aber Probleme, das zu zeigen. Stattdessen schweigt er und „sacht nix“. Die Komödie ist eine Produktion von „Elsani Film“, die Regie führt Thomas Durchschlag. Das Werk zeigt, wie sich Vater und Tochter nach und nach wieder annähern: „Ein Happyend ist nicht ausgeschlossen“, verrät Antoni.
Das bunte Treiben ist für die Pächter nichts Neues. Das Gut, das Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein gehört, wird regelmäßig zum Drehort umfunktioniert. Wenn die Klappe fällt, schaut das Ehepaar Johnen gerne zu. Noch im letzten Jahr wurde hier der Film „Tod in Istanbul“ mit Heino Ferch und Jürgen Vogel gedreht: „Da hat das ZDF vergessen, uns Bescheid zu geben. Unser Sohn Stephan hat abends zufällig den Anfang gesehen und uns sofort angerufen. Dabei wohnt er in Brüssel“, sagt Anton Johnen und hofft auf Besserung: „Das WDR-Team ist in Ordnung, es wird uns schon verständigen.“ Sohn Norbert führt einen Hof im Scherfbachtal, auf dem auch schon mehrfach gedreht wurde.
Dass die Wahl des Westdeutschen Rundfunks auf Selbach fiel, können die Verantwortlichen nachvollziehen. Eine eigene Mannschaft rückt bei solchen Gelegenheiten aus und inspiziert potenzielle Drehorte: „Wir wollen als Landessender unsere Region widerspiegeln“, sagt Prof. Gebhard Henke. Der Programmbereichsleiter für Fernsehfilm, Kino und Serie schaut hin und wieder am Drehort vorbei und prüft, „ob alles mit rechten Dingen zugeht.“ Er und die Schauspieler sind vom Drehbuch von Katja Kittendorf begeistert und mussten schon beim Lesen lachen. „Holger sacht nix“ soll Ende des Jahres an einem Mittwoch in der ARD ausgestrahlt werden.
