BONN. Die Ernte war reichlich: 6100 Tonnen Mohn wurden im vergangenen Herbst in Afghanistan gepflückt - gutes Material, um daraus Rohopium zu gewinnen. Einige Kilogram dieser Droge kamen auch nach Bonn, per Lkw über den Landweg oder im Flugzeug als Handgepäck. Jetzt hat die Bonner Polizei dem kriminellen Treiben ein Ende gesetzt: Sie hat zwei mutmaßliche Dealer verhaftet, die etwa 30 Abnehmer mit dem Rauschgift versorgt haben sollen.
Durch einen Tipp aus der Szene kamen die Ermittler des Kriminalkommissariats 14 auf die Spur der beiden Verdächtigen, die sie seit dem vergangenen August beobachtet und dann im Dezember auf einem Parkplatz in Vilich festnahmen. Dort sollte 1 Kilogramm Opium an die 33 und 43 Jahre alten Männer übergeben werden, als die Fahnder zugriffen. Bei anschließenden Durchsuchungen fanden sie nach Polizeiangaben von gestern weitere 500 Gramm Opium sowie rund 5000 Euro und einige Dollar mutmaßliches Dealgeld. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurden die Männer in Untersuchungshaft geschickt.
Sie operierten in einer eigenen Szene, sagt Kriminalhauptkommissar Udo Monreal. Gehandelt wurde nicht auf offener Straße, „dort wird überwiegend mit Heroin, Kokain oder Haschisch gedealt“, sondern die beiden Verhafteten sollen einen festen Kundenstamm gehabt haben. Der jüngste Abnehmer war 20, die beiden ältesten 66 und 72 Jahre alt. Sie alle sollen Iraner sein, für die möglicherweise der Konsum von Opium ein Stück ihrer Kultur ist. Einige sollen bei den Vernehmungen entsetzt gewesen sein, dass ihnen Drogeneinnahme vorgehalten wurde. „Ich bin krank“, sagte der 72-Jährige, der sich das Rauschgift offenbar als Medizin verabreicht hat.
Die Abnehmer kauen das Opium, lösen es in Tee auf oder rauchen es gemeinsam in irgendeinem Keller - wie in den Opiumhöhlen im alten China. Es hat, sagt Kommissar Monreal, eine schmerzstillende Wirkung wegen des Codeins, das Bestandteil des Opiums ist. Es macht aber auch schläfrig, löst Halluzinationen aus, unterdrückt das Hungergefühl „und hat vor allem einen hohen Suchtfaktor“, das heißt: Einmal auf Droge, ist es schwer, davon loszukommen.
In der Szene wird für die Ware je nach Qualität zwischen 5 und 9 Euro pro Gramm gezahlt. Zum Vergleich: 0,1 Gramm Heroin kosten im Milieu 10 Euro. Aus 1 Kilogramm Rohopium lassen sich 100 Gramm Heroin gewinnen - das zeigt die Verdienstspanne in dem schmutzigen Geschäft.
Der Opiumschmuggel scheint nach Erkenntnissen der Ermittler nicht schwer zu sein: Das Material wird von Afghanistan ins Nachbarland Iran gebracht, auf Lkw verladen oder von Kurieren per Flugzeug nach Europa transportiert, gut getarnt in Kaffeepulver oder stark duftenden Gewürzen, so dass die Rauschgiftspürhunde des Zolls nicht anschlagen. Auch beim Röntgen des Gepäcks fällt das Opium, das wie eine klumpige schwarze Masse aussieht, selten auf. (dbr)