DÜSSELDORF / NEUSS - Düsseldorfs Kulturszene ist um einetonnenschwere Last leichter. Ein riesiges Granit-Porträt zu Ehren desKunst-Stars Joseph Beuys (1921-1986), das in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu heftigen Kontroversen führte, sollnun unmittelbar jenseits der Stadtgrenze aufgestellt werden. Diessagte am Mittwoch der Kulturdezernent des benachbarten Rhein-Kreises-Neuss, Tillmann Lonnes. Der von dem Bildhauer und Beuys-Schüler Anatol (78) geschaffene Kopf von zwölf Tonnen Gewicht hattezunächst am Rheinufer im Zentrum Düsseldorfs seinen Platz findensollen.
Doch der Kulturausschuss der Stadt "kippte" den monumentalenSteinkopf im vergangenen Sommer, nachdem zuvor ein kommunalerKunstbeirat die Qualität des Denkmals als "nicht ausreichend"bezeichnet hatte. Der Stein des Anstoßes werde weder Beuys noch demhohen Ruf Düsseldorfs als Kunststadt gerecht, hatten die Expertenkritisiert.
Nun wird der von manchen ungeliebte Kopf mit den eingemeißeltenGesichtsszügen des weltbekannten Künstlers einige Kilometer weiterstromab auf dem Territorium des Rhein-Kreises Neuss seine Bleibefinden, meinte der zuständige Kulturdezernent. "Die Gespräche sindzwar noch nicht am Ende, aber es sieht gut aus", sagte Lonnes. Nach diesen Planungen würde dann dersteinerne Joseph Beuys mit Blick auf den Rhein direkter Nachbar desTV-Werbestars Verona Pooth.
Bildhauer Anatol hatte den Steinkopf zunächst am linken Rheinuferunweit des Wohnhauses von Beuys aufstellen wollen. Von hier aus hatteer seinen Lehrer 1973 mit der Kunst-Aktion "Heimholung des JosephBeuys" in einem Einbaum paddelnd über den Fluss in die Kunstakademiegebracht. Die Aktion war Höhepunkt des Studenten-Protestes gegen denRausschmiss, mit dem sich Johannes Rau als damaligerWissenschaftsminister Nordrhein-Westfalens gegen die dauerndenWiderborstigkeiten des Hochschulprofessors Beuys gewehrt hatte. (dpa)
