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Edith GätjenHilfe, mein Kind isst nicht!

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BERGISCH GLADBACH – „Mein Kind isst nichts“, diesen Hilferuf hat Edith Gätjen schon tausendfach gehört. Das gute, gesunde Gemüse nicht, das liebevoll präsentierte Obst nicht, dies nicht und jenes nicht. „Probier doch wenigstens mal“, flehen genervte Eltern ihren Suppenkaspar an. Doch der sitzt stoisch auf seinem Kinderstuhl am Tisch, verzieht die Schnute und verkündet: „Das mag ich aber nicht.“

Widerstand ist zwecklos. Auch der Einwand: „Du weißt doch gar nicht, wie das schmeckt.“ Edith Gätjen wundern solche Erfahrungen gar nicht. Die Ernährungswissenschaftlerin aus Refrath hat festgestellt: „Für Kinder bis fünf Jahre spielt der Aspekt des Probierens eine sekundäre Rolle.“ Für das Kind zählen andere Kriterien bei der Auswahl seiner Nahrung - Kriterien, die Erwachsene verstehen müssen, um eine wirkungsvolle Gesundheitserziehung leisten zu können.

„Essen ist etwas Intimes“, erklärt die vierfache Mutter, die Ernährungsberaterinnen, Krankenschwestern und Hebammen ausbildet und Bücher zum Thema geschrieben hat. Wir nehmen Nahrung in unseren Körper auf, und dazu gehört Vertrauen. „Da Kindern die Erfahrung mit den meisten Nahrungsmitteln fehlt, entscheiden sie instinktiv: Welche Nahrung ist sicher, und welche sichert mein Überleben?“ Das trifft zum Beispiel auf Süßes und Weiches zu, Dinge, die sich in der Säuglingsphase bewährt haben. „Erst nach und nach werden Kinder mutiger,“ hat Gätjen festgestellt.

Aber stets steht im Mittelpunkt der Entscheidung die Frage: Ist das gutes, also sicheres Essen für mich? Störende Farbe, Geruch oder Konsistenz können bereits im Vorfeld zu einem klaren Nein führen - sehr zum Unverständnis der Erwachsenen, die sich ärgern, weil der Junior vermeintlich grundlos zickt. Gemüse zum Beispiel zählt Edith Gätjen nicht zur kindlichen Sicherheitsnahrung - ein Dilemma, denn Eltern wissen, wie wichtig die Vitamine sind und versuchen deshalb mit allen Tricks, die Kleinen zum Verzehr zu überreden. Und schon sitzen sie in der Erpressungsfalle. „In ganz vielen Familien ist Essen ein Beziehungsproblem“, hat Gätjen festgestellt. Der Teufelskreis geht so: Die Mutter bietet etwas an, das Kind mag nicht, die Eltern sind beleidigt, üben Druck aus, das Kind bockt, wird abgestraft oder handelt eine „Belohnung“ aus, wenn es doch isst.

„Die Gefahr besteht darin, dass die Mahlzeit für alle Beteiligten ein unerfreuliches Erlebnis wird,“ sagt Gätjen. Ein klassischer Machtkampf. Viele Mütter suchen jetzt nach dem Weg des geringsten Widerstands, indem sie beispielsweise noch lange Gläschennahrung verabreichen.

Ein Problem ist auch: „Wenn die Kinder zu den festen Terminen richtig hungrig wären, könnten sie sich die Verweigerung nicht so einfach leisten“, betont die Fachfrau. Doch wer zu jeder Zeit Plätzchen, Chips, gesüßte Joghurts oder Pommes sicher hat - warum sollte der bei Tisch sitzen?

Um dem Druck auszuweichen, setzen viele Mütter auf Kooperation: Was magst du denn essen? So wird Ernährungs-Verantwortung abgegeben - „doch damit sind kleine Kinder überfordert“, stellt Edith Gätjen klar. „Kinder brauchen manchmal bis zu zehn Kontakte mit einem Lebensmittel, bis sie es akzeptieren. Ihr Kind mag keine Erbsen? Vielleicht gefällt ihm das Runde daran nicht, oder das Grüne. Versuchen Sie es in Kombination mit Möhren, Mais oder Reis, oder als Pürree. Irgendwann wird es zugreifen - oder für sich entscheiden, dass es Erbsen einfach nicht will. Das muss man dann auch akzeptieren.“

Deshalb ist es wichtig, dabei zu bleiben. „Der Kindergarten hat da im Prinzip eine tolle Chance“, sagt Gätjen, „weil hier die Dinge regelmäßig auf den Tisch kommen“. Geduld und Freundlichkeit sind angesagt beim Flirt mit dem Lebensmittel. „Ich muss cool bleiben“, hat sich Edith Gätjen als Mutter selbst immer vorgenommen. „Wenn ich mich aufrege, habe ich schon verloren.“

Bücher von Edith Gätjen: „Das geniale Familien-Kochbuchuch“ und „Essensspaß für kleine Kinder“, beide Trias Verlag.