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„Ehrenfelder Tropfen ist der Renner“

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Marie-Luise Scholzen steht hinter dem Tresen und verkauft hausgemachten Likör. „Ehrenfelder Tropfen ist der Renner“, sagt die gelernte Hauswirtschafterin, die von Römers Restaurant Report zur Gastronomin des Jahres 2007 gewählt wurde. „Das Rezept stammt von meinem Schwiegervater. Empfehlenswert sind auch Scholzens Jagd und Scholzens Braunen, die bekommen Sie nur bei uns.“

„Bei uns“ ist im Hause Scholzen, das in diesem Jahr hundertstes Jubiläum feiert. Mitten in Ehrenfeld liegt das traditionsbewusste Gasthaus, umgeben von Döner-Buden, Eiscafés und Restaurants, deren Angebot von chinesischer bis zu sardinischer Küche reicht. Marie-Luise Scholzen hingegen schwärmt für ein ordentliches Rumpsteak mit Bratkartoffeln und Zwiebeln, passend zur gutbürgerlichen Küche des Hauses, die sich im multikulturellen Ehrenfeld geradezu exotisch ausnimmt.

„Unsere Spezialität ist der Ehrenfelder Senfrostbraten“, sagt die Gastronomin aus Aachen, die ihren Mann Karl auf dem Rosenmontagszug in Köln kennen lernte. 1975 wagte sie dann den Sprung in den Familienbetrieb. Das Restaurant liegt im Erdgeschoss, die Privatwohnung in den Stockwerken darüber. Zeitweise lebten drei Generationen unter einem Dach.

Im Hause Scholzen herrscht eine klare Arbeitsteilung: „Mein Mann kocht, ich übernehme die Organisation“, so die Wirtin. Dabei kommen abends schon mal an die 120 Gäste zusammen. Fest angestellt sind zehn Personen, dazu kommen je nach Saison sechs bis zwölf Aushilfskräfte. „Bis Anfang Januar sind wir an jedem Abend ausgebucht“, sagt Scholzen. Viele Gäste kämen aus Ehrenfeld, einige sogar aus Bergisch Gladbach und Zülpich. Und das schon in der dritten Generation. Jüngeres Publikum finde sich vor allem am Wochenende ein.

Ein bisschen kurios ist das schon. Schließlich scheint das rustikale Interieur des Gasthauses nicht so recht in die bunte Glitzerwelt der Jugendlichen zu passen. Große Wandgemälde und eine Eichenholzvertäfelung zieren die Wände, Kacheln veredeln die Tischplatte. Freie Flächen werden mit Blumengestecken und Keramikgeschirr gefüllt.

Die Familie führt den Betrieb mittlerweile in der vierten Generation. Und auch die fünfte scheint gesichert. Von den vier Kindern werden zwei in die Fußstapfen der Eltern treten. Eine Tochter ist Hauswirtschafterin, der Sohn macht eine Kochlehre. „Die stressigen Arbeitszeiten konnten sie zum Glück nicht abschrecken“, freut sich Scholzen. Am Wochenende seien vier Stunden Schlaf schließlich nicht ungewöhnlich. Dafür hat die Gaststätte montags und dienstags zu. Dann zieht sich die Familie wieder in ihre Privatgemächer zurück - in den ersten und zweiten Stock.