BORNHEIM-WALBERBERG. Umgeben von hohen alten Kastanienbäumen und einem romantischen Park steht am südlichen Zipfel von Walberberg die Kitzburg. Sie ist fast 400 Jahre alt und die einzige noch erhaltene Wasserburg im Stadtgebiet.
Hier ist der schönste Platz auf der Welt", beschreiben Dr. Raban Freiherr von Canstein und seine Ehefrau Gisela ihr Zuhause. Wo sonst gebe es noch solch eine Idylle. Seit 1979 leben die von Cansteins in der Kitzburg. Und nicht einmal in ihren tollkühnsten Träumen kämen sie auf die Idee, ihren Landsitz gegen ein modernes Haus oder eine Wohnung in der Stadt zu tauschen.
Dabei beschränkt sich ihr eigentlicher Luxus lediglich auf 13 überdimensional große Wohnräume, die allesamt eine Deckenhöhe von etwa 4,50 Meter aufzuweisen haben, und einen riesigen Garten, dessen Rasen der Besitzer in achtstündiger Wochenarbeitszeit höchstpersönlich mäht.
So richtig praktisch ist so ein altes großes Haus nicht", erklärt die Hausherrin die Nachteile vom Leben in der Burg. Es sei einfach zu klein, um es wirtschaftlich, etwa durch Gastronomie, zu nutzen und eigentlich zu groß, um darin zu wohnen. Alleine sei die täglich anfallende Hausarbeiten gar nicht zu bewältigen.
Auch kälteempfindlich darf man nicht sein, denn irgendwo zieht es in diesem Haus immer", schmunzelt Gisela von Canstein. Die vielen kleinen Sprossenfenster seien gar nicht dicht zu bekommen. Im Winter würde es da manchmal schon verflixt frostig. Dazu die hohen Decken. Man könne heizen was man wolle, richtig warm würde es im Haus nie.
Realistisch betrachtet rechnet es sich schon lange nicht mehr, die Burg zu bewohnen", meint Freiherr von Canstein nachdenklich und erklärt: Früher trug sich das Haus durch die Pachteinnahmen selber." Zwar sei der Landbesitz seither nicht kleiner geworden, doch seien erstens kaum mehr Pächter zu finden und zweitens sei die Pachtgebühr in den letzten 40 Jahren um nicht einen Cent gestiegen.
Traditionsbewusstsein vorausgesetzt, müsse man schon eine ordentliche Portion Eigeninitiative und Eigenkapital mitbringen, um solch ein Gebäude zu halten. Denn obwohl das gesamte Anwesen einschließlich des Gartens unter Bau- und Bodendenkmalschutz steht - mit großer finanzieller Unterstützung seitens der unteren oder oberen Denkmalbehörde ist nicht zu rechnen. Das erläutert in einem Gespräch mit der Rundschau Dieter Spiegelhauer, Gebietsreferent für den Rhein-Sieg-Kreis beim Landschaftsverband Rheinland. Grundsätzlich ist der Eigentümer auch für den denkmalpflegerischen Mehraufwand zuständig, erklärt er. Im Gesetz sei lediglich geregelt, dass bei Unzumutbarkeit der Kosten eine Förderung beim Land oder der Kommune beantragt werden könne. Allerdings müssten sämtliche Veränderungen im und am Gebäude erst genehmigt werden. Und trotzdem: Die Kitzburg ist mein Lebensinhalt", sagt Freiherr von Canstein. Allein der Blick vom Wohnzimmer in den Park, auf die Wiese, die plätschernden Springbrunnen und den in einiger Entfernung liegenden Wald wiege sämtlich Nachteile auf. Seit 250 Jahren ist die Burg in Familienbesitz und von Canstein ist froh, dass sich sein Sohn bereits bereit erklärt hat, das Anwesen zu übernehmen. Leben im Denkmal heißt für Dr. Raban Freiherr von Canstein auch Leben mit der Vergangenheit.
Die Vorteile liegen im Flair. Hier riecht es noch so wie zu Großvaters Zeiten", erklärt der inzwischen 77-Jährige. Weder moderne Bilder noch poppige Möbel sind in den Wohnräumen zu finden.
An den zum Teil holzvertäfelten Wänden hängen gigantisch große Gemälde mit Jagdmotiven und Hunderte von Jahren alte Originallandkarten. Auch die Möbel sind alt; in jeder Generation kam ein bisschen dazu", so der Freiherr und deutet auf die im Stil ganz unterschiedlichen Vitrinen und Schränke.
Solange Freiherr von Canstein denken kann, steht die Kitzburg unter Boden- und Baudenkmalschutz. Selbst die Amerikaner haben sich während der Besatzung daran gehalten. Seit der Einführung des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes 1980 untersteht das Walberberger Kleinod der unteren Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Bornheim.
Die Kitzburg ist allerdings nur eines von insgesamt 234 Baudenkmälern im Stadtgebiet Bornheim. Dazu zählen Schlösser, Burgen aber auch Wegekreuze. 146 Objekte befinden sich in Privat-, 43 in Kirchen- und 44 in Kommunalbesitz. Nur ein Baudenkmal, der Hexenturm in Walberberg, steht unter der Obhut des Landes Nordrhein Westfalen.