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Ein Heim für die Zeit nach der Haft

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BERGHEIM. Drogenhandel, unerlaubter Waffenbesitz, Knast. Ein Lebenslauf, der es einem schwer macht, wieder ins normale und vor allem legale Leben zurückzufinden. Denn, wer einmal in Haft saß, der findet meist weder Arbeit noch Wohnung. Ein Teufelskreis beginnt. Häufig bleibt das Obdachlosenheim. Aber von dort aus ist der Weg zurück in die Kriminalität nicht mehr weit.

„Hier setzt unsere Hilfe an. Wir haben acht Wohnplätze und einen Notschlafplatz für Leute, die obdachlos sind oder gerade aus der Haft kommen“, sagt Peter Königsfeld, Amtsrichter in Kerpen sowie Erster Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Bewährungshilfe Bergheim, der 1993 gegründet wurde. Und Sozialarbeiter Heribert Erschfeld ergänzt: „Wir bieten eine Meldeadresse und eine Wohnung. Wir unterstützen die Arbeitsplatzsuche.“

In zwei Häusern nahe des Bergheimer Bahnhofes sollen die Haftentlassenen oder Obdachlosen lernen, wieder mit ihrem Leben klar zu kommen. Einkaufen, Kochen, Hygiene, Putzen gehören genauso dazu wie die Verminderung der Gefahr, wieder straffällig zu werden. „Die Bewohner helfen sich gegenseitig. Wir brauchen daher immer eine fitte Gruppe, welche die Neuankömmlinge auffängt, stützt und einweist“, erläutert Erschfeld. Dazu gibt der Verein Hilfestellung bei Behördengängen, Wohnungssuche und bei der gesundheitlichen Stabilisierung.

Für die Arbeitssuche haben sich die Mitbewohner ihr bisschen Geld zusammengespart und sich einen Computer mit Internetzugang und Modem geleistet. Sie sind aktiv und hoffen jeden Tag, dass eine Bewerbung auch mal Erfolg haben wird. „Von zirka 80 Leuten, die in den vergangenen Jahren hier wohnten, wissen wir von fünfen, dass sie es definitiv geschafft haben, den Arbeitsplatz und die Wohnung, die sie gefunden hatten, auch zu behalten. Zwei haben es trotz schlechter Sozialprognose geschafft, sich selbstständig zu machen. Viele, die mit Job oder Wohnung gehen, melden sich hier nicht wieder.“

Das ist natürlich nicht unbedingt eine ermutigende Erfolgsquote. „Aber es war uns bewusst“, sagt Peter Königsfeld. Dennoch sei dieses Wohnprojekt sehr wichtig. Denn es fange die Leute auf, so dass sie sich neu orientieren könnten. So erzählt ein Mitbewohner, dass er, weil sein Arbeitgeber Insolvenz anmelden musste, seine Miete nicht zahlen konnte und fast obdachlos wurde. „Ich kannte hier zwei Leute, da habe ich mich beworben.“ Für die Aufnahme muss eine Bewerbung mit kurzem Lebenslauf vorgelegt werden, dann folgt ein Vorstellungsgespräch. Das war bei einem anderen Bewohner nicht mal nötig. Der junge Mann zeltete ein halbes Jahr im Wald und fiel einem Betreuer auf. „Wenn er weiter auf der Straße gelebt hätte, wäre er auf die schiefe Bahn gekommen“, betont Erschfeld, der als Ansprechpartner für die Bewohner der beiden Häuser zuständig ist.

„Unser Problem ist die Finanzierung“, sagt Königsfeld. Zwar wird der Verein unterstützt durch Bußgelder und Spenden, aber das reicht nicht, obwohl das Sozialamt die Miete der Bewohner zahlt. Die zwei Häuser aus den fünfziger Jahren müssen auch instand gehalten werden. „Vieles geschieht in Eigenleistung. Die Bewohner helfen, wo sie können. Aber Freizeitmaßnahmen, die die Eingliederung unterstützen sollten, haben wir aus Kostengründen streichen müssen“, verdeutlicht Peter Königsfeld, der betont, dass die beiden Häuser nächstes Jahr schließen müssten, wenn sich die Einnahmen nicht vermehrten.

Auskunft über den Verein gibt es unter Telefon (0 22 71) 9 89 60, zum Wohnprojekt unter Telefon (0 22 71) 60 58 14.