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Ein Kleinod macht Probleme

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LINDE. „Wir wären froh, wenn das Ding mal weg wäre!“ Hermann-Josef Pinner brachte den jahrzehntelangen Leidensdruck der Linder zum Ausdruck. Gemeint sind die Hinterlassenschaften des ehemaligen Steinbruchbetriebes Pack bei Linde. Das gesamte Areal wurde zwar seit Mitte der achtziger Jahre unter Naturschutz genommen, birgt aber im Kern eine ökologische Katastrophe, nämlich den widernatürlichen Zustand der Betriebsgebäude samt dort abgelagerter Schuttmengen.

Die Gemeinde Lindlar stellte jetzt im Haus Burger einen sogenannten „Vorhaben bezogenen Bebauungsplan“ und die Inhalte des Durchführungsvertrages vor.

Bekanntlich ist die Gladbacher Baufirma Ludwig Krämer zum Abriss der Ruinen, zur Entsorgung der Ablagerungen und zur Rekultivierung bereit. Die zur Erdaufschüttung vorgesehene Fläche macht etwa 20 Prozent des Naturschutzgebietes aus, wobei die Nordseite des entstehenden Erdwalls forstlich bepflanzt werden soll. Die Eroberung des zum unberührten Steinbruch weisenden Südhangs soll nach Dafürhalten von Professor Dietrich Putzer, dem Vater des NSG Steinbruch-Linde, bewusst der Natur überlassen bleiben. Wenn die von Kreis und Gemeinde befürwortete Maßnahme endlich auch von der Bezirksregierung genehmigt würde, wären zwölf Jahre für die Sanierung festgesetzt.

Von den Bürgern waren einige kritische Fragen zu hören: „Was geschieht mit der Flora und Fauna, die sich in den vergangen zwei Jahrzehnten bereits angesiedelt und entwickelt hat?“ Putzer, dem der Steinbruch seit über drei Jahrzehnten vertraut ist, verwies auf die Ergebnisse eingehender Studien und Abwägungen. Die gegebene Situation gebiete eine Versöhnung zwischen Nutzung und Naturschutz. Bei umsichtigem Vorgehen kann man auf den Fluchtinstinkt und die Ausweichmöglichkeiten der Tiere vertrauen. Ökologisch sei die vorgesehene Anschüttung von Magerböden sogar ein enormer Gewinn. Neue Lebensräume würden nach Abschluss der Rekultivierung die Artenvielfalt um ein Vielfaches bereichern.

Ein Reizthema war der Straßenverkehr. Mit wie viel Lkw-Bewegungen ist täglich bei einem Gesamtvolumen von gut 200 000 Kubikmetern Erdaushub zu rechnen und wie hoch sind die saisonbedingten Spitzen? Wie sieht es mit der Belastbarkeit der Straßen aus und wer kommt gegebenenfalls für die Reparaturen auf? Günter Kappe vom Fachbereich Planung verwies auf die Verhältnismäßigkeit der zusätzlichen Verkehrsfrequenz, die bei objektiver Betrachtung im Promillebereich liege. Außerdem lägen die Messwerte eines Lärmschutzgutachtens weit unter den zulässigen Höchstwerten.

Ruinen sollen

entsorgt werden

Beim Betrachten der geplanten Geländeprofile kam die Abfolge der Rekultivierung zur Sprache. Die Versammlung legte größten Wert auf die Zusage, dass bereits in der ersten Phase die Ruinen und Schuttvorkommen im Eingangsbereich zu entsorgen sind. Das hohe Bauwerk entlang der K 29 wird bis auf eine Höhe von drei Metern abgetragen. Die verbleibenden Mauerreste werden zur Hangabstützung genutzt und verschwinden im Böschungsprofil. Der Verlauf der Anschüttungen soll zunächst im östlichen Bereich beginnen.

Die Bewohner der Alten Dorfstraße ließen sich vorsorglich bestätigen, dass ihre Straße dabei nicht als Zufahrt in Frage kommt. Später erfolgt dann der restliche Anschüttungsprozess. Unberührt bleiben die langgestreckte Ost-West-Grube und ihre Korallenriffwände, der Anlass und die Basis des Naturschutzgebietes. Wie ein aufgeschlagenes Buch geben sie den Blick frei in 350 Millionen Jahre Erdgeschichte. Wissenschaftlich sind die vielfältigen Aufschlüsse und Fossilien des ehemaligen Korallenriffs von großem Interesse. Karge Flächen und temporär trocken fallende Nassbereiche beherbergen heute seltene Krautgemeinschaften, Libellen, Käfer, Wespen und sogar die Geburtshelferkröte. Obwohl das Betreten des Naturschutzgebietes nicht zulässig ist, bedürfen die Oberkanten der schroff abfallenden Wände einer Sicherung.

Zum Abschluss der Versammlung betonte Rainer Ufer vom örtlichen Naturschutzverein, dass die Verwirklichung der „Renaturierung“ in Linde ein ökologisches Kleinod darstellt, das im ganzen Land seinesgleichen sucht.

Die Hoffnung auf eine letztendliche Begehbarkeit dämpften die Naturexperten mit der These „Ökologie braucht Zeit und Ruhe“. Wer weiß, vielleicht gibt es doch einmal einen Naturlehrpfad, der den Menschen unter sachkundiger Führung einen Blick ins Naturparadies Linde gestattet.

Bürgermeister Dr. Hermann-Josef Tebroke nahm die Anregungen und Bedenken aufmerksam entgegen, insbesondere die Seufzer der unmittelbar betroffenen Anwohner des Ommertals: „Über dreißig Jahre haben wir den Dreck geschluckt und den Lärm ertragen, seit über zwanzig Jahren bedrohen uns die Ruinen, wenn doch mal grünes Licht käme, dann nähmen wir die zwölf Jahre gern in Kauf“. Nach der vorgezogenen Bürgerbeteiligung nimmt das Verfahren noch in diesem Monat über den Planungsausschuss der Gemeinde Lindlar seinen weiteren Verlauf.