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„Ein lange verschwiegenes Thema“

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BONN. Noch 1987 regte sich heftiger Widerstand. Schüler der Integrierten Gesamtschule Beuel setzten ein Zeichen in Form eines Denkmals am Finkenberg in Limperich für hingerichtete Zwangsarbeiter - und ernteten nicht nur Lob dafür. Die Schülerinitiative hat in Bonn als erste den Blick auf das Schicksal von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs gerichtet, ebenso tat das etwas später die Bonner Geschichtswerkstatt.

„Das ist ein lange verschwiegenes Thema“, sagt Stadtarchivar Norbert Schloßmacher. Der Bonner Historiker Joachim Scholtyseck spricht von „Verdrängungsmechanismen der 50er Jahre“. Beide möchten dazu beitragen, Licht in das dunkle Kapitel zu bringen. Gemeinsam mit Dittmar Dahlmann und Albert W. Kotoswki vom Institut für Osteuropäische Geschichte der Uni Bonn stellten sie jetzt eine Dokumentation über die Geschichte der Zwangsarbeit in Bonn vor. „Ich betrachte das Buch als Einstieg“, so Schloßmacher.

Schon 1999 hatte der Rat der Stadt Bonn das Projekt beschlossen. Ebenso rief er damals die Begegnungswochen mit ehemaligen Zwangsarbeitern ins Leben, die sich im Mai zum fünften Mal jähren. Heute, sagt Scholtyseck, haben fast alle Kommunen ihre örtliche Geschichte der Zwangsarbeit aufzuarbeiten begonnen, es fehle jedoch eine Zusammenschau dieser regionalen Forschungen.

„Schlagen gut ein und leisten Befriedigendes“ - das schrieb ein Vertreter der Vereinigten Jute-Spinnereien und -webereien in Beuel 1942 an den dortigen Bürgermeister. Das Zitat ist der Titel der Bonner Studie. Sie stützt sich auf städtische Akten, Archivmaterialien und Gespräche mit Zeitzeugen. Eine wertvolle Quelle war die Versichertenkartei der Bonner AOK, in der die Zwangsarbeiter verzeichnet wurden. Keine Hilfe kam jedoch von Seiten der angeschriebenen Bonner Firmen.

Rund 10 000 Zwangsarbeiter hat es der Studie zufolge während des Zweiten Weltkriegs in Bonn wohl gegeben. Am schlimmsten erging es denjenigen aus dem Osten. Für die italienischen Fremdarbeiter verschärfte sich die Situation ab Sommer 1943. Besonders krass ging es in den drei Bonner „Arbeitserziehungslagern“ zu, in die mutmaßliche „Arbeitsbummelanten“ oder sonstige Quertreiber gesteckt wurden. Über eines, das in Bad Godesberg, schreibt der Historiker Erhard Stang. Das Schicksal polnischer Zwangsarbeiter in der Beueler Jutespinnerei ist Thema eines Kapitels, ein weiteres widmet sich - samt Verzeichnis und Plan - den Sammelunterkünften, die es vornehmlich auf den Geländen großer Unternehmen gab. Über regelrechte Lager hätten die Firmen Moeller, Wessel und Soennecken verfügt sowie die Jutespinnerei in Beuel oder die Ringsdorff-Werke in Bad Godesberg.

„Schlagen gut ein und leisten Befriedigendes“. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Bonn 1940-1945, herausgegeben von Dittmar Dahlmann, Albert W. Kotowski, Norbert Schloßmacher und Joachim Scholtyseck, ISBN 3-922832-37-7, 300 S., 19 Euro. Erhältlich im Stadtarchiv und im Buchhandel.