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Ein Leben für die Dampfkesselfabrik

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Carl Hugo Steinmüller hat den Aufstieg der Gummersbacher Dampfkesselfabrik L. & C. Steinmüller maßgeblich geprägt. Zugleich engagierte er sich in vielen Vereinen.

GUMMERSBACH. „Er hat wie kaum ein anderer Mitbürger die Geschicke der Stadt beeinflusst und ist wie kaum ein anderer seiner Generation vielen noch in Erinnerung“, schreibt der Gummersbacher Historiker Jürgen Woelke in einem Aufsatz über Carl Hugo Steinmüller, der heute vor 50 Jahren im hohen Alter von 87 Jahren starb.

Steinmüller ist nicht nur der Chef von vielen tausend Mitarbeitern, er engagiert sich auch im öffentlichen Leben seiner Geburtsstadt. Sei es als Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde, im Vereinsleben, im Rat der Stadt oder als Mäzen fast aller Vereine.

Als Carl Hugo am 18. Februar 1872 als erstes Kind von Carl Steinmüller geboren wird, steckt die vom Großvater an der Kaiserstraße gegründete Papierfabrik noch in den Anfängen. Die Dampfkesselfabrik ist noch nicht gegründet, und die englische Lokomobile, deren Anfälligkeit sein Onkel Lebrecht Steinmüller zu bahnbrechenden Erfindungen im Bau von Dampfkesseln veranlasst, kommt erst zwei Monate nach Carl Hugos Geburt nach Gummersbach. Bereits im Alter von 13 Jahren geht es für den kleinen Steinmüller in die Welt hinaus, denn für den Besuch des Realgymnasiums muss er nach Mühlheim / Ruhr.

Bevor er in Stuttgart und später in Dresden studiert, durchläuft er alle Abteilungen der väterlichen Kesselfabrik. Als sein Onkel Lebrecht 1897 immer mehr kränkelt, wird Carl Hugo nach Gummersbach zurück gerufen, um als dessen Nachfolger eingearbeitet zu werden. Der junge Steinmüller tritt in das damals 380 Mitarbeiter zählende Unternehmen ein. Auch privat bindet er sich, heiratet im Mai 1899 Emma Kreft, die am 19. April 1900 mit Tochter Aenna zunächst nicht den erhofften Stammhalter zur Welt bringt. 1905 wird das zweite Kind Hertha geboren, 1908 kommt der ersehnte Sohn Carl Eberhard, der aber schon wenige Tage nach der Geburt stirbt. 1911 wird mit Erika ein weiteres Mädchen geboren und 1921 erblickt wieder ein Sohn die Welt, der ebenfalls Carl Eberhard heißt.

In der Firma teilen sich Carl Hugo und sein Bruder Lebrecht der Jüngere wie schon die Generation zuvor, die Arbeit. Carl Hugo kümmert sich um Fertigung und betriebliche Fragen. Welche gesellschaftliche Stellung Steinmüller binnen weniger Jahre erlangt, veranschaulicht noch heute die 1000 Quadratmeter Wohnfläche messende Villa „Haus Waldfried“ im Kerberg, die er 1911 bezieht.

Gleichzeitig verliert Carl Hugo Steinmüller aber nie die Nähe zu Belegschaft und Bürgerschaft; ob beim Wohnungsbau für die Mitarbeiter, bei seinem Engagement in der Kirche als Mitglied im Schützenverein, wo er 1913 König wird. Steinmüller gönnt sich zwar Ende der 1920er Jahre einen 45 000 Mark teuren Maybach, verlangt aber von seinem Sohn, über die Ausgaben seiner fünf bis zehn Mark Taschengeld im Monat penibel Buch zu führen.

Lange lehnt er es ab, Mitglied der NSDAP zu werden. „1941 wird der Druck quasi zum Befehl“, erläutert Woelke. Nach dem Krieg wird Steinmüller von der britischen Militärregierung zunächst seines Postens in der Fabrik enthoben, weil er in der Partei und zu vielen NS-Organisationen Mitglied gewesen sei. Nach zweieinhalb Jahren wird er aber vollständig entlastet und tritt 1948 mit 76 Jahren wieder in die Firma ein. Fast täglich kommt er in seinen Betrieb.

Ludwig Erhard kam

zum 100-Jährigen

Aus Anlass des 80. Geburtstags von Carl Hugo Steinmüller bekommt der Industrielle 1952 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Gummersbacher Ehrenbürgerschaft verliehen. Am 11. Mai 1955 kann Carl Hugo Steinmüller das 100-Jährige seines Unternehmens feiern, für das sogar der Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard nach Gummersbach kommt. Doch bei aller Wertschätzung gelingt Steinmüller eines nicht: die Nachfolgefrage in seinem Betrieb zu klären, nachdem sein einziger Sohn Carl Eberhard zehn Monate vor Ende des 2. Weltkriegs um Leben gekommen war.