Die Rundschau trauert um ihren langjährigen Herausgeber Dr. Heinrich Heinen. Wenige Tage vor Vollendung seines 87. Lebensjahres ist er gestern nach kurzer, schwerer Krankheit in einer Klinik in Eschweiler gestorben.
Es war Heinens Lebensaufgabe, das publizistische Erbe seines Schwiegervaters und Gründungsherausgebers, Dr. Reinhold Heinen, zu pflegen und fortzuentwickeln - seit 1964 als Mitherausgeber und 1969 als Alleinherausgeber. Es war einerseits ein journalistisches, ein politisches, von Werten geprägtes und dem Gemeinwohl verpflichtetes Leben, und andererseits war er für Familie und Mitarbeiter ein patriarchalischer Anker. Zusammen mit seiner 1992 verstorbenen Frau Marianne, der Hauptgesellschafterin und warmherzigen Unternehmerin, lenkte er die Geschicke des Heinen-Verlages und der Kölnischen Verlagsdruckerei unter zeitweise schwierigen Rahmenbedingungen. Einer der Wegbegleiter Heinrich Heinens: „Je älter er wurde, desto mehr hat er seine Frau vermisst.“ 1991 übergab Dr. Heinen die alleinige Herausgeberschaft seinem Sohn Helmut.
Zur Übergabe war in der Rundschau zu lesen: „Heinrich Heinen, der die publizistischen Grundsätze der Rundschau festschrieb, hat der Zeitung viele neue Impulse gegeben und sich immer als Anwalt der Leser verstanden.“
Dr. Heinrich Heinen lebte seit seinem Rückzug aus dem Unternehmen in seiner geliebten Eifel-Gemeinde Heimbach. Unverändert zwischen aktiver Zeit im Verlag und Ruhestand war der morgendliche Griff zur Zeitung. Die Redaktion der Kölnischen / Bonner Rundschau konnte lange von seiner Lebenserfahrung, seinem umfangreichen Wissen und seiner literarischen Neigung profitieren.
Vor über 20 Jahren gab Heinrich Heinen eine „Kleine Nachlese“ heraus, die sein Leben bis dahin reflektierte - von den „Unheilvollen Jahren“ bis zur „Suche nach Sinn und Glück“. Geradezu fassungslos blickte er auf das, was in deutschem Namen zwischen 1933 und 1945 geschehen war. Seine Lehre daraus: Streben nach Ausgleich ohne Gewalt.
Heinen ging offen mit seinen politischen Überzeugungen um, war über 60 Jahre Mitglied der CDU. Die christlich-konservative Werteorientierung brachte er immer wieder mit visionären Gedanken zusammen. Er trat früh in der damaligen deutschen Frage für eine Öffnung nach Osten ein. Der damalige Verlagsleiter Hans Heider beschrieb den publizistischen Anspruch Heinens so: „Unbeirrtes Eintreten für Frieden, Versöhnung, Toleranz und Menschlichkeit über alle Parteien, Religionen und Grenzen hinweg.“
Jürgen C. Jagla, verstorbener früherer Chefredakteur der Rundschau, beschrieb, mit welchem Anspruch Heinrich Heinen die Verantwortung als Herausgeber übernahm und wahrnahm: „Er empfand diese Funktion kaum als Privileg, aber stets als eine von mannigfaltigen politischen, geistigen und journalistischen Zwängen belastete Aufgabe, der er sich Tag für Tag mit gleich großer Gewissenhaftigkeit stellte.“
Viele Jahre war Heinrich Heinen Schirmherr der Rundschau-Altenhilfe DIE GUTE TAT e.V. Von ihm stammt die Idee, über die großen Aktionen der Weihnachtspakete für bedürftige ältere Menschen hinaus diesem Personenkreis Mobilität zu verschaffen. Er regte an, Kleinbusse zur Verfügung zu stellen, und ihm war es eine große Freude, noch als Schirmherr den 100. Rundschau-Bus einer Alteneinrichtung übergeben zu dürfen.
Dr. Heinrich Heinen verfasste in Heimbach seine letzte und 1999 herausgegebene Veröffentlichung: „Vor dem letzten Tor - Gedanken beim Abschiednehmen.“
Der Familie, allen im Rundschau-Haus, in den Lokalredaktionen, in der Druckerei und den Pensionären sowie denjenigen, die mit ihm zu tun hatten und ihn auch nur kannten, fällt der Abschied schwer.
