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Ein lebenslanges Trauma

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GUMMERSBACH / KÖLN. Kaum hat die Ehefrau des angeklagten Gummersbachers den Saal 7 des Kölner Landgerichts betreten, da bricht sie in Tränen aus. Zum Prozessauftakt vor zwei Wochen hatte ihr 46-jähriger Ehemann gestanden, dass er fast drei Jahre lang den gemeinsamen Sohn, seit dieser sechs Jahre alt war, sexuell missbraucht und pornographische Bilder von ihm gemacht hat.

Behutsam belehrt der Vorsitzende Richter Wolfgang Hansel die 35-Jährige, dass sie als Ehefrau des Angeklagten die Aussage verweigern könne. Nachdem sie einige Minuten mit dem Kopf geschüttelt und geweint hat, richtet sie sich aber entschlossen auf: „Wir fangen an. Ich sage aus.“

Aufgekratzt, aber bestimmt erklärt sie: „Nein, ich habe nie einen Verdacht gehabt.“ Ihr Mann sei immer sehr „ehrlich und direkt“ gewesen. „Er hat nie gelogen, und ich habe ihm vertraut.“ Umso heftiger dürfte sie die Hausdurchsuchung durch die Polizei im April 2006 überrascht haben. Der Junge und ihre gerade sechs Monate alte Tochter kamen zunächst in die Obhut des Jugendamtes in Gummersbach, da gegen die 35-Jährige ebenfalls ermittelt wurde.

Schwere Alpträume

des Zehnjährigen

Da sich der Verdacht gegen die Mutter nicht erhärtete, leben Tochter und Sohn mittlerweile bei ihr in Köln. Wie es dem Jungen gehe, fragt der Staatsanwalt die 35-Jährige. „Er hat heute Nacht sehr geweint“, sagt sie und fügt hinzu, dass der Junge häufig aggressiv sei und nicht alleine schlafen könne. Von ihrem Mann, der ihr immer wieder lange Blicke zuwirft, wolle sie sich scheiden lassen, sagt sie.

Ein deutliches Bild von der Traumatisierung des Jungen gibt schließlich Diplompsychologe Bernd Eberhardt, der den heute 10-Jährigen seit August 2006 therapeutisch betreut. Immer wieder habe der Junge ihm gesagt, dass er nicht vor Gericht aussagen möchte, was ihm durch das Geständnis seines Vaters denn auch erspart bleibt. In Gesprächen sei der Junge regelmäßig zusammengebrochen, habe gezittert und geweint, wenn die sexuellen Misshandlungen thematisiert wurden. Außerdem berichte der 10-Jährige von schweren Alpträumen, in denen er nur eine weiße Wand sehe. „Das alles macht ihm soviel Angst, er sieht nicht einmal die Bilder“, erklärt Eberhardt.

Frühestens im Sommer, diagnostiziert der Psychologe, könnte der Junge so weit sein, mit der Verarbeitung des Geschehenen zu beginnen. Mindestens ein Jahr müsse er noch therapiert werden. „Er spricht im Moment überhaupt nicht über den Vater. Das finde ich sehr ungewöhnlich“, sagt Eberhardt, der seit Jahren mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen arbeitet. Auch nach der Therapie würden die Probleme jedoch in bestimmten Lebensabschnitten immer wiederkehren. „Das wird ihn sein Leben lang beschäftigen.“

Erschreckend ist während der Zeugenaussagen immer wieder der Widerspruch zwischen der Beschreibung des Angeklagten als „liebevollen Vater“, so die Klassenlehrerin des Jungen, und den Misshandlungen seines eigenen Kindes. Richter Hansel sagt ähnlich wie am ersten Verhandlungstag, es habe „massive Hinweise“ gegeben, „dass der Junge über Internet angeboten wurde“. Der Leiter des Jugendamtes in Gummersbach berichtet, dass bei der Hausdurchsuchung Mappen mit pornographischen Bildern gefunden wurden, die „relativ offen herumlagen“.

Der Angeklagte erklärt am Ende des Verhandlungstages nur kleinlaut: „Es geht mir sehr nahe, dass meine Frau und mein Sohn darunter leiden“. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.