Abo

Ein Mann schrieb Fußballgeschichte

3 min

Dass Willi Schömer , der am heutigen Mittwoch 70 Jahre alt wird, ein lebendiges Stück Euskirchener Fußballgeschichte geschrieben hat, können mittlerweile Hunderte von Nachwuchskickern bezeugen. Der frühere ETSC-Torwart Stefan Beyers ist so ein Beispiel: Auch er meint, dass der Euskirchener Verein ohne den Namen Willi Schömer undenkbar wäre.

„Herr Schömer war und ist das Mädchen für alles. Er hat in der Jugendabteilung alles geregelt und war auch für jeden Jugendlichen immer präsent.“ Tatsächlich ist die Fußballjugendarbeit des TSC Euskirchen seit über 30 Jahren auf das Engste mit dem Namen des gebürtigen Kuchenheimers verbunden.

Der jetzige Jugendleiter ist stolz darauf, dass der TSC in den letzten zwölf Jahren regelmäßig Jugendmannschaften in der Verbandsliga etabliert hat.

Und dies unter keineswegs optimalen Bedingungen. „Finanzielle Klimmzüge konnten wir uns nie leisten. Die Jugendtrainer bekommen gerade mal ihre Aufwandsentschädigungen“, sagt Schömer, der aber stets über die Runden kam. Denn Sponsoren im Jugendbereich für Trikots und Trainingsanzüge hat der Verein immer gefunden.

„Das ist auch heute noch so“, freut er sich. Das sportlich hohe Niveau zu halten, sei am schwersten: „Jugendarbeit wird in den großen Vereinen inzwischen professionell betrieben“, sagt Schömer. Da würden Talente spätestens in der D-Jugend „weggelobt“.

Immerhin: Aus Schömers Jugendriege schafften es beispielsweise die Spieler Thomas Wichterich , der zum 1. FC Köln wechselte, und Jürgen Hübner (Leverkusen) in die Jugendnationalmannschaft. Der Sprung ins Profilager schafften sie im Gegensatz zu Heinz Flohe und Walter Posner nicht.

Doch der sportliche Ehrgeiz ist nur eine Seite der Schömer schen Jugendarbeit. Die andere ist die Kontaktpflege zu anderen Clubs. Besonders gerne erinnern sich Schützlinge wie Stefan Beyers, der von der E-Jugend an einige Jahrzehnte Spieler des ETSC war und auch Jugendteams betreute, an die Partnerschaft mit dem englischen Fußballverein Bedwell Rangers in Stevenage.

Alle zwei Jahre fuhren ETSC-Jugendliche nach England. Und auch die Briten waren häufig in der Kreisstadt zu Gast. „Diese Verbindung hat der frühere Jugendleiter Hans Forg ins Leben gerufen“, weiß Willi Schömer. Bis 1999 hat noch Schömers Ehefrau Hermine die Fußball-Austausche mit organisiert. Noch heute gibt es durch die Sportfeste mit der englischen Stadt Basingstoke einen Verein in Overton, den die ETSC-Fußballjugendlichen regelmäßig besuchen.

Seit 1974 ist Willi Schömer beim TSC Euskirchen aktiv, zunächst als Trainer, dann 30 Jahre lang bis zum letzten Herbst als Geschäftsführer. Dann übernahm Heinz Schmitz dieses Amt, und Willi Schömer wurde erstmals Jugendleiter. Grund: Schömer hat für das Jahr 2007 sein Ausscheiden aus dem ETSC-Vorstand angekündigt. Zudem ist er auch noch zweiter Vorsitzender des Hauptvereins. Heinz Schmitz soll dann intensiv in seine Arbeit eingewiesen werden.

Dann eröffnet sich für Schömer, der nach der Volksschule 15 Jahre lang bei der Post beschäftigt war, am städtischen Abendgymnasium in Köln von 1964 bis 68 das Abitur machte und von 1973 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1999 Lehrer an der Hauptschule in Kall war, vielleicht eine neue Welt - abseits vom Fußball.

„Ich habe auch andere Hobbys“, sagt der England-Urlaubsfan, der seit 44 Jahren mit Hermine van Laak verheiratet ist.“ Da gibt es schließlich noch die beiden Enkelkinder und die umfangreiche Bibliothek. „Das Lesen ist zu kurz gekommen“, meint Schömer. Und Stefan Beyers erinnert sich: „Der Willi Schömer war immer Fan des englischen Fußballs. Er hatte als einer der ersten eine Satellitenschüssel und konnte sich so bereits früher als viele andere die Spiele von der Insel im Fernsehen anschauen.“