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Ein neues Leben mit 66 Jahren

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KERPEN. Der Terminkalender von Pater Rufus Keller ist ziemlich voll. Seit Mitte Dezember vergangenen Jahres wohnt der ehemalige Prior des Walberberger Dominikanerklosters auf 52 Quadratmetern in einer Dachwohnung in Kerpen-Sindorf. Am 6. Januar wurde er im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes der Sindorfer Gemeinde als Pfarrvikar vorgestellt und in sein neues Amt eingeführt.

Schon am darauf folgenden Wochenende vertrat er in dieser neuen Funktion den Pfarrer. „Zu Fuß habe ich nur einige wenige Gehminuten zur Kirche“, erzählte Pater Rufus. Gut habe er sich an die neue Lebenssituation gewöhnt. „Ich genieße diese Selbstständigkeit“, verriet er. So etwas habe er schließlich zuvor noch nie erlebt.

Auch Kochen will

gelernt sein

Schon im Alter von 19 Jahre war er dem Orden beigetreten, seither lebte er im Verbund dieser Gemeinschaft. Nun kocht er sein Essen selber, kümmert sich alleine um sämtliche Einkäufe und ist letztendlich auch eigenverantwortlich für seinen Haushalt zuständig. Das Kochen allerdings sei zurzeit kein Problem. „Um ein wenig abzunehmen, mache ich zurzeit eine Heilfastenkur“, schmunzelt der Geistliche. „Doch das neue Leben ist spannend, andere gehen mit 65 Jahren in Rente - ich starte ganz neu durch.“

„Die Selbstständigkeit erleben junge Menschen für gewöhnlich im Alter von 20 Jahren, wenn sie zuhause ausziehen, ich musste 65 Jahre alt werden, um diese Erfahrungen nun machen zu können“, so Rufus Keller weiter. Jeder Tag stecke voller Überraschungen.

Dabei verbringt er den größten Teil des Tages in der Pfarrei. Im Seelsorgebezirk, in dem Pater Rufus Keller als Pfarrvikar arbeitet, leben rund 14 000 katholische Christen. Da gibt es viel zu tun. Auch Beerdigungen hat er schon vorgenommen. Neben der Arbeit in der Pfarrei ist er auch weiterhin Leiter des Forums Walberberg, wodurch die Tradition der Bildungsarbeit der Dominikaner weiter lebt.

Und dann ist da noch das große Hobby - das Schreiben. Die vergangenen Monate sei er wegen der Klosterauflösung gar nicht mehr zum Schreiben gekommen. Jetzt will er ein Buch über das Ende des Klosters Walberberg verfassen. Immer noch zieht es ihn auch jetzt ins Kloster Walberberg, wo er so viele Jahrzehnte seines Lebens verbracht und gearbeitet hat. „Es tut unsagbar weh, durch die leeren Hallen zu gehen“, erzählte er, „trotzdem fahre ich hin, es ist wohl immer noch ein Abschied nehmen.“

Als Fachabteilung des Bonner Bildungswerks für Friedensarbeit lebt die Bildungsarbeit der Dominikaner als „Forum Walberberg“ weiter. Die Seminare werden in Beleghäusern, in den Klöstern in Bad Münstereifel, Maria Rast in Euskirchen und Antweiler sowie im Haus der Schwestern zum Guten Hirten in Bad Honnef durchgeführt und unter anderem von den Walberberger Dominikanern Pater Rufus Keller und Pater Richard Glöckner geleitet.

Ein religiöses Wochenende zum Thema „Bilder der Wanderung“ führt Pater Rufus Keller vom 29. Februar bis 2. März im Haus Maria Königin in Bad Münstereifel durch. Zu einer besonderen Ferienwanderung lädt er vom 9. bis zum 15. Juni in die Bildungsstätte Maria Rast ein. „Heil werden durch Fasten und Schweigen“ heißt es wieder vom 25. Juli bis 1. August an - diesmal lädt Pater Rufus ins Haus Maria Königin. Zum Thema „Das alte Ägypten“ lädt Pater Richard Glöckner vom 9. bis 10 August in die Bildungsstätte Haus Maria Rast ein.

www.bf-bonn.de