Manchmal entdeckt man eben sehr spät, was eigentlich in einem steckt. Marc Luig zum Beispiel hat eine Menge ausprobiert und während seiner Jugendzeit eigentlich nur abgehangen. Wohin mit der Energie, wohin mit den Ideen, die da so wirr im Kopf herumschwirren? Dann, mit 25 Jahren, endlich die zündende Idee: Student an der Kölner International School of Design werden. Seitdem sprudeln die Ideen aus dem mittlerweile 30-Jährigen nicht nur heraus, sie werden auch oft umgesetzt.
Wer Fleisch und Käse in bestimmten Supermärkten an den Theken kauft, übersieht sie schnell: Die Kittel und Schürzen der Verkäufer. Materialienauswahl, Farbenkombination und Schnitte: Marc Luig. Doch der Angestellte eines Frechener Berufsbekleidungsherstellers möchte den Job nicht ewig machen. Sein Ziel: Markenfirmen wie Carhartt haben ja auch mal nur Berufsbekleidung hergestellt, heute ist das alltagstauglich. An der Kölner Design-Schule wird er zum Generalisten ausgebildet, soll später in der Lage sein - so die Philosophie der Schule - diverse Gegenstände zu designen. Giorgio Armani hat ja auch mal einen Ferrari designed, sagt der Kölner und nimmt Bezug auf eine internationale Größe seines Faches.
Sein neuester Clou: der Sound of Coke (SOC) - Ergebnis einer Studie zu Verpackungsvisionen, die ein Limonadenhersteller bei den Designstudenten angefragt hatte. Bisher nur ein Modell, könnte der SOC-Aufsatz ein Renner werden. Das Prinzip ist genial: Der Aufsatz soll wie eine Flöte funktionieren, statt der Luft wird die entweichende Kohlensäure aus der Flasche genutzt. Die Deckel der Flaschen sollen mit einem Ventil präpariert werden, in das man den sieben Zentimeter hohen Aufsatz einfach hineindrückt. Ein Erfolg soll der SOC-Aufsatz vor allem dadurch werden, dass aktuelle Musikhits mittels Knopfdruck über Membrane als simple Melodien erklingen. Als einer von wenigen Vorschlägen der Designstudenten hat der Limonadenhersteller sich das Modell aushändigen lassen. Bisher gab es aber noch keine Nachricht, ob es auch umgesetzt wird.
Die nächste Idee steht jedenfalls schon bereit. Rollstuhlfahrer scheitern, wenn sie vor einer Treppe stehen. Wenn der Stuhl die Treppe hochsteigen könnte, ähnlich wie sich eine Krake oder eine dieser modernen Waldarbeitsmaschinen bewegen, wäre das eine große Hilfe. Ob Marc Luig jemals reich wird durch diese Ideen, bleibt also abzuwarten. Die Verbindung mit dem Limonadenhersteller hat jedenfalls einen Vorteil: Wenn wir in der Schule eine Party veranstalten, rufe ich da an. Dann machen die bestimmt etwas locker, sagt Luig lachend.