7.30 Uhr. Die ersten Kinder werden gebracht. Mit Erzieherinnen bereiten die Frühaufsteher alles für den neuen Kita-Tag vor. Rollos hoch, Stühle runter, Bettchen machen. . . Nach und nach trudeln die Kinder ein. Insgesamt 85. Großes Hallo. Ein paar Eltern brauchen Rat. Die Leiterin der Kindertagesstätte an der Neuen Sandkaul, Anja Albert, checkt, wer vom Team nicht da ist. Drei fehlen wegen Urlaub, Krankheit, Fortbildung. „Normal. Wir sind fast nie komplett.“ Personallücken muss sie mit Organisationsgeschick auffangen.
9.00 Uhr. „Guten Morgen, liebe Sonne!“ Jede der fünf Gruppen trifft sich zum Morgenkreis und bespricht den Tag. Die einen wollen Schneckenforscher sein, Tiere beobachten. Andere planen einen Ausflug ins Widdersdorfer Neubauviertel. Die „Sonnenkinder“ schnippeln Möhrensalat. Erzieher stellen neues Spielgerät vor. Gefrühstückt wird je nach Hunger. Neu ist eine integrative Gruppe mit behinderten Kindern. Der Jüngste ist ein Baby mit Down-Syndrom.
11 Uhr. Robby (1) schläft nebenan, während in der Mondgruppe die neun anderen Kleinsten im Kreis sitzen und singen. Wie immer vor dem Rausgehen. „Die Scheibenwischer vom Bus machen wisch-wisch-wisch“, singen die beiden Erzieherinnen mit Jill, Dominik und den anderen. Die unter Dreijährigen haben sich seit Einweihung ihrer Kita im Oktober eingelebt und dazugelernt. Zum Beispiel, sich selbst an- und auszuziehen. „Die Eltern haben weniger Zeit als früher, das mit ihren Kindern zu üben“, so Albert.
11.30 Uhr. Nach dem Singen geht es raus. Die Zeit nutzen Mitarbeiter, Förderkonzepte abzustimmen und Projekte vorzubereiten. Trubel auf der Spielwiese. Marktschreier Klein-Lennart brüllt „Ananas, Ananas“ und übertönt sie alle.
12 Uhr. Der Tischdienst bereitet das Mittagessen vor. Eine Küchenhilfe gibt es nicht. Erzieher achten darauf, dass sich ein Gespräch entwickelt. „Wo wachsen denn die Erdbeeren?“, fragt Albert. „Auf dem Baum!“, meint einer. Danach Zähneputzen. Um 13 Uhr ist Ruhezeit für „Schlafkinder“. Andere entspannen sich beim Kassette-Hören oder Vorlesen.
16.30 Uhr. Die letzten Pänz werden abgeholt. Bis 18.30 Uhr führt das Team noch Gespräche.
„Wichtig ist ein strukturierter Ablauf, Kinder müssen Vertrauen aufbauen“, erklärt Anja Albert. Es wird geturnt und getobt, geschlafen, gegessen, spielerisch gefördert und Elementares gelernt. Gute Organisation ist dabei gefragt. „Wir leisten eine hoch qualifizierte Bildungs-Arbeit - aber das wird leider nicht entsprechend honoriert“, meint die Diplom-Sozialpädagogin.
Der Kita-Alltag ist nicht kinderleicht. Einige klagen „über Rücken. Vom vielen Bücken-Heben-Räumen-Wickeln“. Anja Albert kann sich allerdings freuen, dass für die neue Kita alles neu bestellt werden konnte. Bis hin zum ergonomischen Wickeltisch mit Dusche und Windelbox mit Geruchsstopp. Ältere Einrichtungen seien da schlechter dran.
Ihren Berufsalltag vergleicht die 35-Jährige mit „einer kleinen Firma. Wie haben hier 18 Mitarbeiter, Pädagogen und Therapeuten. Ich bin eine Art Managerin, Hausmeisterin, Beraterin“. Das Team sei gefordert, „den Spagat hinzukriegen zwischen unserem hohen Qualitätsanspruch, individueller Betreuung“ - und wachsenden Aufgaben. Es werden viele Gespräche mit Eltern geführt, Projekte vorbereitet - neben der pädagogischen Arbeit kamen genaue Dokumentationen zur Entwicklung der Pänz hinzu.