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Ein Teil der Geschichte Bad Honnefs

4 min

BAD HONNEF. Flaschen, Flaschen, Flaschen.Ohne Ende Flaschen. Zu Tausenden stehen sie auf dem Band, rücken langsam vor. Irgendwo am Eingangstor sind die Mineralwasserkisten mit den leeren Flaschen wie aus dem Nichts aufgetaucht. Ein paar Meter weiter teilt sich das Band. Die grüne Kisten fahren nach rechts, die braunen nach links. Automatisch sortiert per Kamera. Wieder ein paar Meter weiter sind die Kisten leer, die Flaschen stehen auf dem Fließband. Gleich werden sie gespült, durchlaufen ein Laugebad, werden gereinigt und danach automatisch mit frischem Mineralwasser aus 68 Metern Tiefe gefüllt. Verschlossen und mit einem Code versehen kommen sie wieder in eine Kiste. Fertig zum Abtransport.

Ungefähr mit 170 000 Flaschen passiert dies Tag für Tag. Etwa 36 Millionen sind es im Jahr. Aber nur drei Mann sind pro Schicht nötig, um die vollautomatische Produktion in der Halle an der Steinstraße am Laufen zu halten.

Die kleine Fabrik steht sozusagen an historischer Stätte. Die Bad Honnefer Mineral- und Heilbrunnen GmbH mitten in Bad Honnef ist nicht irgendeine Firma. „Sie ist Teil der Geschichte unserer Stadt“, betont Bürgermeister Peter Brassel, der dem Unternehmen jetzt zusammen mit der Landtagsabgeordneten Andrea Milz (Königswinter) einen Besuch abstattete.

Und die Firma ist ein ziemlich bedeutender Werbeträger. Kleine blaue Flaschen mit dem Etikett „Bad Honnefer Mineralwasser“ stehen auch auf Tischen von Gaststätten auf der Insel Borkum. Insgesamt 36 Millionen Flaschen Jahresproduktion, die meisten davon mit dem Etikett Aegidius-Brunnen versehen - „das ist auch Werbung für die Stadt“, sagt Uwe Buttgereit, der als Geschäftsführer das mittelständische Unternehmen mit insgesamt 20 Mitarbeitern leitet.

Der Grundstein der Firma wurde am 12. Dezember 1897 gelegt. Damals wurde auf dem unfangreichen Besitz von Carl Weckbecker die erste Mineralquelle Bad Honnefs erbohrt, die 249 Meter tiefe Drachen-Quelle. Es war die Geburtsstunde von „Bad“ Honnef. Weckbecker richtete Kur- und Badeeinrichtungen ein, Honnef, damals schon als Luftkurort bekannt, wurde bald zum Treffpunkt gekrönter Häupter wie Kaiser Wilhelm II. oder Königin Sophie von Schweden, die auf die heilende Wirkung des „Bad Honnefer Mineralwassers“ setzten.

Im Jahr 1906 ging die Drachen-Quelle in holländischen Besitz der Firma „Maatschappy Drachen-Quelle“ (Rotterdam) über. Dank des Exports in die holländischen Kolonien wurde das Bad Honnefer Wasser weltberühmt. Bis 1938 blieb die Quelle in holländischem Besitz, danach wurde sie von verschiedenen Bad Honnefer Privatleuten betrieben.

Heute führt Uwe Buttgereit die Geschäfte auf dem Areal zwischen Austraße und Steinstraße. Ein modernes Wirtschaftsunternehmen, das zuletzt 1995 / 96 durch immense Investitionen seine heutigen Anlagen und die moderne Produktionshalle bekam. In zwei Schichten werden montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr die Flaschen gefüllt.

Die Firma nutzt heute vier Quellen, darunter immer noch die Weckbeckersche Drachen-Quelle, die Heilwasser liefert. 90 Prozent der Produktion stammen aus dem 68 Meter tiefen Aegidius-Brunnen. Unter diesem Namen liefert die Bad Honnefer Firma Mineralwasser und Süßgetränke aus. Dabei bedient sie sich komplett des Fachgroßhandels. Er liefert per Lkw die Flaschen an Kleinabnehmer und Lebensmittelketten. Einen eigenen Fahrzeugpark hat die GmbH nicht mehr.

Der Lkw-Verkehr war zeitweise ein Problem. Gab es ursprünglich an der Steinstraße nur eine schmucke Villa und ansonsten viel Grün mit Bächlein, so grenzt das Firmengelände heute unmittelbar an Wohnhäuser. Um einen Lkw-Stau auf den schmalen Zufahrtsstraßen zu vermeiden, müssen die jeweiligen Abholer deshalb zu festen Uhrzeiten anrücken. Teilweise warten sie auch unter dem Honnefer Kreuz und werden per Handy angefordert, wenn wieder Platz ist. Buttgereit: „Das funktioniert reibungslos.“

Bei Problemen mit Anwohnern einfach in ein Gewerbegebiet umzusiedeln - diese Alternative wäre der Heilbrunnen GmbH aber auch verwehrt. Natürliches Mineralwasser muss direkt am „Quellort“ in Flaschen abgefüllt werden. Ein Transport in Tanks oder Containern, um das Wasser an einer anderen Stelle abzufüllen, ist per Gesetz verboten. Buttgereit: „Wir können nur hier abfüllen.“

Das aber geht auch nicht einfach so. „Eine Quelle braucht Pflege - so wie jeder auch seine Zähne pflegt“, erklärt der Firmen-Chef. So setzten sich beispielsweise die Pumpen mit Eisen zu und müssten regelmäßig gereinigt werden. Auch habe die Quelle nur eine gewisse Ergiebigkeit, die bei der Förderung berücksichtigt werden müsse.

Den daraufhin beim Laien aufkommenden Gedanke, in einem superheißen Sommer mit extremer Nachfrage könnte der Firma der Nachschub ausgehen, rückt Buttgereit jedoch zurecht: „Wasser haben wir genug!“