KÖLN. Als Christian Friedl seinen ersten Kühlschrank auseinander baute, um ihn zu restaurieren, dachte er entsetzt: „Den kriegst Du nie wieder zusammen!“ Stimmte aber gar nicht.
Heute, nach mehr als zehn Jahren, ist der 37-Jährige einer der Wenigen, die die coolen Oldtimer hauptberuflich wieder flott machen. Eine Ausbildung dazu gibt es nicht. „Learning by doing“, sagt er. Er hat sich das Handwerk selbst beigebracht. Mehr als 200 Kühlschränke sind bei Friedl in Köln-Deutz untergebracht, ehrwürdige Schätzchen aus den 20er- bis 60er-Jahren. Ihre Namen schüchtern ein - doch auch der stolze Admiral oder Mr. Kelvinator lassen sich friedlich in der Küche parken.
Friedl hat Wirtschaftswissenschaften studiert. Eigentlich wollte er Diplomat werden. Dann aber ging er erstmal für acht Jahre als Qualitätsmanager zu Citroen, bevor er 1994 nach einem Jahr Probelauf den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. „Eine Herzschlag-Entscheidung“, sagt er. Was Neues wollte er machen. Was Eigenes. Der Oldie-Kühlschrank als Passion kam gerade richtig, denn mit ihm hatte er eine Marktnische gefunden.
Friedls Kühlobjekte stehen in einem Souterrain-Atelier auf einem Gewerbegelände. Wie im Wartesaal reihen sich die Kühlschränke von Bosch, Frigidaire & Co. aneinander; neuwertige Exemplare sind auch darunter.Seine Ware erhält der Kölner von Händlern und Sammlern. Von einem älteren Herrn aus dem Saarland bekam er sein ältestes Stück: ein kleiner unauffälliger Eisschrank von 1911, aus Holz gebaut wie eine Nachttisch-Kommode. Den Elektroanschluss sucht der moderne Mensch allerdings vergebens. „Dieser Schrank wurde mit Stangeneis gekühlt“, erklärt Friedl.
Die meisten Kühlschränke stammen aus Übersee. Friedl lässt sie sich mittlerweile per Containerladung liefern. „In den USA findet man die echten Schmankerl,“ erzählt er. Zum Beispiel den senfgelben Philco aus Philadelphia: Seine Tür kann man mit Drehgriffen von beiden Seiten öffnen. Oder der noch zerkratzte weiße Crosley aus den frühen 50er-Jahren. Er besitzt einen kleinen Schnabel an der Außentür: der Getränkespender. „Die Amerikaner haben Mut zu aufwendigen Details bewiesen“, sagt Friedl. Das zeige sich an brillantartigen Griffen und glamourösen Schriftzügen.
Bis zu 130 Stunden arbeitet der 37-Jährige mit zwei Kollegen an der Restauration eines Kühlschranks. Da werde der Gilb der alten Tage rauspoliert, einzelne Bauteile neu verchromt und lackiert, erklärt Friedl. Auf Wunsch baut er neue Kühlsysteme ein, FCKW-frei. Billig ist das alles nicht, so ein geliftetes US-Schätzchen kostet den Nostalgiker mehrere tausend Euro. „Nach oben hin gibt es fast keine Grenzen“, sagt der Kölner. Los geht es in einer Preisklasse ab 450 Euro.
Friedl mag jene Kunden am liebsten, mit denen er über den „Charme der alten Tage“ plaudern kann. Wenn aber, wie schon geschehen, eine prominente Dame erscheint und eine Ladung Kühlschränke kauft, ohne sie eines längeren Blickes zu würdigen, dann tut ihm das weh. Auch wenn er daran Geld verdient. Soviel Coolness muss nicht sein.