Abo

EinschnittRhöndorfer Dragons verlieren Hauptsponsor

3 min

Bad Honnef – Den Rhöndorfer Basketballern steht ein epochaler Einschnitt bevor: Franz-Ludwig Solzbacher, der Haupt- und Namenssponsor der „Soba“ Dragons, hat dem Verein mitgeteilt, dass er sein finanzielles Engagement mit dem Ende der aktuellen Spielzeit, in der die Dragons als Tabellenführer der Pro B (3. Liga) auf dem Sprung in die Pro A (2. Liga) sind, beenden werde. „Nach jetzt 20 Jahren sehe ich die Zeit gekommen, dass der Rhöndorfer Bundesligabasketball auf eigenen Füßen steht und erwachsen wird“, ließ Solzbacher gestern in einer Pressekonferenz, an der er selbst nicht teilnahm, durch Manager Michael Wichterich und Pressesprecher Klaus Beydemüller erklären.

Der Unternehmer Solzbacher, der seine Rolle immer eher als Mäzen denn als Sponsor empfand, hatte den Rhöndorfer TV seit 20 Jahren unterstützt und die Mannschaften finanziell zu großen Teilen getragen. In der Ära von Solzbacher, der sich in den 90er Jahren mit den Tischtennisfreunden Bad Honnef eine zweite Erstligamannschaft leistete, stiegen die Drachen von einem Oberligisten zu Deutschlands drittgrößtem Basketballclub auf, spielten von 1995 bis 1999 in der BBL und zwei Jahre sogar in europäischen Wettbewerben. 1999 betrieb Solzbacher die Übertragung der Erstligalizenz an die neu gegründeten Skyliners in Frankfurt, deren Manager mit Gunnar Wöbke bis auf den heutigen Tag ein ehemaliger Rhöndorfer ist. In der Folge spielten die Dragons erfolgreich in der 2. Liga, zogen sich allerdings vor zwei Jahren freiwillig in die Pro B zurück, als sie sich für ein Konzept der Nachwuchsförderung entschieden.

Kein Rückzug in

die Regionalliga

Wie es nach dem Sommer sportlich weitergeht, ist noch nicht absehbar. „Bis zum 31. März müssen wir unsere Lizenzierungsunterlagen abgeben, wir werden das für Pro A und Pro B tun und müssen uns dann bis 31. Mai entscheiden“, erläuterte Wichterich. Er habe alle bestehenden weiteren Kleinsponsoren (Bandenwerbung etc.) über Solzbachers Entscheidung informiert: „Alle haben angekündigt weiterzumachen.“ Da Solzbacher aber bislang 60 bis 70 Prozent des Etats finanziert habe, so Wichterich, sei jetzt eine große Lücke zu schließen: „Ich hatte schon Kontakt zu möglichen neuen Sponsoren, die ersten Signale sind gut, aber konkrete Zusagen gab es noch nicht.“ Beydemüller ergänzte: „Wir werden wohl nicht den einen großen Neuen finden, sondern sind gezwungen, gesunde Strukturen zu entwickeln.“ Sprich: die finanzielle Last auf viele kleine und mittlere Geldgeber zu verteilen.

Wichterich ist überzeugt, dass ein völliger sportlicher Einbruch vermieden werden kann: „Einen Rückzug in die Regionalliga wird es nicht geben.“ Primäres Ziel sei es, die Pro B weiter sicherzustellen, aber auch dazu müssten eben Solzbachers Gelder, die Wichterich auf rund 100 000 Euro für eine Pro B-Saison bezifferte, ersetzt werden. Ob die Pro A, die die Dragons derzeit sportlich souverän ansteuern, realisiert werden könne, sei im Mai zu entscheiden. „Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, einen möglichen Aufstieg mit und für die tolle Mannschaft zu verwirklichen, die wir jetzt beisammen haben.“ Eines schloss Wichterich aber kategorisch aus: „Wir werden nicht mit einer finanziellen Unterdeckung in eine Saison der Pro A gehen.“

Zudem seien in der Pro A hohe Standards zu erfüllen: „Unsere Halle müsste noch mal umgebaut werden, um eine Zulassung für 1800 Zuschauer zu bekommen, außerdem ist ein Mindestetat von 400 000 Euro gefordert.“ Letzteres dürfte ohne einen neuen potenten Hauptsponsor nur schwer erreichbar sein.

Wichterich will in der übernächsten Woche zu einem Informationsabend für alle einladen, die sich bei den Dragons engagieren wollen. Keine Konsequenzen hat Solzbachers Rückzug für den Jugendbereich des RTV, der weiter durch die „Ludwig-Solzbacher-Stiftung“ unterstützt wird. Allerdings steht im Zuge der Umstrukturierung die Rheinbreitbacher Tennishalle nicht mehr zur Verfügung, in der viele RTV-Mannschaften spielen und trainieren.