Ein Kneipenbesuch von ehemals einflussreichen Genossen ist kürzlich derart ausgeartet, dass die Polizei jetzt wegen Bedrohung, Beleidigung und Zechbetrugs gegen den früheren Oberstadtdirektor Dr. Klaus Heugel, den früheren RGW-Chef Toni Klefisch und Ex-GAG-Vorstand Jürgen Noppel ermittelt. Heugel soll dem Wirt gedroht haben, er habe immer noch genug Einfluss, „um ihm die Bude zumachen zu lassen“. Und als schließlich die Polizei anrückte, soll Noppel mit einer imaginären Maschinenpistole geschossen haben.
Polizeisprecher Jürgen Laggies bestätigte: „Es läuft ein Ermittlungsverfahren, es wurden Anzeigen erstattet.“ Es war der dritte Donnerstag im Monat, an dem man üblicherweise im kleinen Kreis im kölschen Restaurant Paul, An St. Agatha, bei Wirt Peter Olligschläger („Olli“) zusammen kommt. „Wir treffen uns seit zwei Jahren, das ist auch immer nett - normal“, sagt Olli. Der 61-Jährige hatte diesmal was gut zu machen, denn er hatte mit Noppel ums Wetter an einem bestimmten Tag gewettet und verloren. „Den Abend hätte er voll bezahlen müssen“, versichert Klefisch.
Olligschläger kam also mit einer dreiviertel vollen Flasche an den Tisch seiner Gäste und fragte: „Männer, kann ich mich mit Schnaps freikaufen?“ Die Männer ließen sich nicht schlagen und leerten gemeinsam mit Olli den Ziegler-Walnussschnaps, „obwohl wir eigentlich keinen Schnaps trinken“, versichert Klefisch. Trotzdem sei der Wirt mit der nächsten Flasche gekommen: „Jungs, dä Schnaps is och jood, dä müsst ihr probiere.“ Olligschläger versichert, er habe gesagt: „Ävver mer sin quitt, ihr möht bezahle.“ Die Genossen hätten drei Runden à 22,50 Euro getrunken. Der Deckel lag bei ihm an der Theke.
Danach bestellten die Gäste Kölsch und, so sagt Klefisch, jeweils einen Halven Hahn. Olli meint, es seien Frikadellen, Metthäppchen, Gulasch und Halver Hahn gewesen. Üblicherweise hat die Runde nach Abschluss des Kneipenabends 80 Euro zu bezahlen, berichtet Klefisch. Die lagen auch diesmal auf dem Tisch, als die Genossen Richtung Heimat wollten. Es kam aber, wie Klefisch sich erinnert, „ein Deckel, der aussah wie ein frühes Werk von Pablo Picasso. Und mittendrin stand 166,95“.
Da fragten die Männer den Gastwirt: „Häst do se nit mih all?“ Kurz danach ging s hoch her. Die drei sollen ihn bedroht und wüst beschimpft haben. „Dat möht man sich ens vürstelle“, empörte sich Olligschläger gestern, „die haben mich des Betruges betitelt.“ Schließlich drohte er: „Ich ruf jetzt die Polizei.“ „Dunn dat, mir warten hier“, konterten die Gäste. Als zwei Polizeibeamte die Kneipe betraten, habe die Polizistin nur den Wirt angehört, kritisiert Klefisch. Ihr Kollege habe derweil die Personalien der drei Genossen aufgenommen. Heugel soll den Beamten zugerufen haben, sie wüssten wohl nicht, wer er sei. Wenn sie das aufschrieben, werde er dafür sorgen, dass sie suspendiert würden. Klefisch bestreitet, dass solche Drohungen gefallen sind.
Als die Polizistin Olligschläger gefragt habe, „Haben Sie den Herren schon Lokalverbot erteilt?“, soll Noppel „ausgeflippt“ sein, das Geräusch einer Maschinenpistole nachgemacht und gerufen haben: „Ich hab ne Uzzi und leg euch alle um, ihr seid alle Arschlöcher.“ Daraufhin haben der Wirt und die Polizisten Strafanzeige wegen Bedrohung erstattet. Noppel wiederum hat Olligschläger wegen Betrugsversuchs angezeigt.