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„Eltern haben wir eigentlich immer genug“

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Bergisch Gladbach - Die Zahl der Adoptionen geht in Nordrhein-Westfalen seit Beginn der 90er Jahre kontinuierlich zurück: 2005 wurden an Rhein und Ruhr acht Prozent junger Menschen weniger an Kindes statt angenommen als 2004, wie jetzt die Landesstatistiker melden.

Das findet Christa George, die zusammen mit Klaus Felusch bei der Stadt Bergisch Gladbach die „Gemeinsame Adoptionsvermittlungsstelle der Jugendämter im Rheinisch-Bergischen Kreis“ betreibt, nicht verwunderlich: „Es gibt immer weniger Kinder, also auch immer weniger Adoptionen.“ In Rhein-Berg pendelt die Zahl der gerichtlich abgeschlossenen Adoptionen seit Jahren auf verhaltenem Niveau um etwa 16 Fälle im Jahr; 2005 waren es zum Beispiel 18, weitere 18 Fälle waren in Bearbeitung.

Es gibt Fälle, die dauern fünf bis sechs Jahre. Dem Amt liegt daran, möglichst schnell Sicherheit und eine dauerhaft stabile Lebenssituation für das Kind zu erreichen, aber die leiblichen Eltern zaudern bisweilen lange vor dem letzten, dem unabänderlichen Schritt. Da bleibt dann erstmal nur die Adoptionspflege, die Adoption „auf Probe“ sozusagen, die 2005 im Kreis immerhin 14 mal vereinbart wurde. Sie hält mit den „echten“ Adoptionen nahezu Schritt.

Die Zahl der adoptionswilligen Eltern liegt etwa drei- bis viermal so hoch wie die Zahl der freigegebenen Kinder: 2005 standen den 18 Adoptionen im Kreis 54 Paare gegenüber, die sich ein Kind vom Amt wünschten, und 2001 wollten sogar 73 Paare eines von 17 vermittelten Kindern haben. Dazu kommt, dass 30 bis 80 Prozent der Adoptionen durch Stiefeltern erfolgen - also innerhalb der Familie. Echte „Findelkinder“ sind rar.

Von „Wartezeiten“ will Christa George jedoch nicht sprechen: „Es geht ausschließlich um das Wohl der Kinder, die verlassen sind und ein neues Zuhause brauchen. Die anerkannten Bewerber stellen Ihre Bereitschaft zur Verfügung, ein Kind anzunehmen, wenn Bedarf besteht.“

Die Qualitätsanforderungen an dieses Angebot sind hoch: Neben der pädagogischen Eignung müssen auch das Einkommen und die Wohnverhältnisse stimmen. Und das Alter: „International gültige Faustregel ist: Das Kind soll nicht mehr als 40 Jahre jünger sein als das älteste Elternteil.“ Bei einem Durchschnittsalter der Bewerber von 35 bis 40 Jahre ist das „Adoptionsfenster“also relativ schmal. Trotz dieser Hürden kann Christa George sagen: „Geeignete Eltern haben wir eigentlich immer genug.“

Etwa acht bis zehn Paare im Kreis wählen jährlich einen anderen Weg: Sie adoptieren ein Kind über eine Agentur im Ausland. George: „Wir informieren auch hier. Die Eltern sollten auf keinen Falle alleine losziehen.“ In vielen Ländern, etwa Russland, wird zuvor intensiv geprüft, ob eine Adoption im Inland möglich ist. Man muss in Kauf nehmen, dass die Kinder dann älter sind.