Sein Vorname ist irisch (Eamon), sein Nachname portugiesisch (Fernandes), sein Geburtsort indisch (Bombay), er selbst fühlt sich als kölscher Inder. Sozialarbeiter war der 68-Jährige, und das hat ihn jung gehalten: „Ich habe immer mit jungen Leuten gearbeitet, erst als Leiter im Jugendclubhaus St. Gereon - einer Offenen Tür in der Steinfelder Gasse - und dann bei der Katholischen Hochschulgemeinde.“ Er steht für die vielen Menschen in Köln, die auch mit dem Motto „Mir all sind Kölle“ gemeint sind. Ein paar von ihnen wollen wir in loser Folge vorstellen.
Als Eamon Fernandes 19-jährig Indien verließ, am Vorabend von Weihnachten 1957, wusste er, dass er zum Maschinenbaustudium nach Köln wollte. Ein Dominikaner aus Walberberg aber erkannte seine eigentliche Begabung: „Du kannst nicht Ingenieur werden; du bist ein geborener Sozialarbeiter.“ Eamon hat seinen Beruf denn auch richtig gern gehabt.
„Wenn du in Rom bist, leb wie ein Römer“, hatte ihm sein Vater empfohlen und das gleiche für Köln geraten. Fernandes war klar, dass der Karneval zu der Stadt am Rhein gehört; folglich lernte er bald schon mehrere Herren kennen, die ihn zu einer Herrensitzung der Blauen Funken mitnahmen. Dabei bewies er selbst komisches Talent. Präsident Hanns Göbbels ließ Eamon auf die Bühne kommen und fragte ihn: „Wo kommst du her?“ Der Gast antwortete: „Von zu Hause.“ Bis heute erinnert er sich schmunzelnd: „Der Saal hat getobt!“
Es dauerte aber noch acht Jahre, bis er bei den Blauen Funken eintrat. Mittlerweile hat er sich vier Gruppen im Verein angeschlossen: den Jungs, die das Gestühl aufbauen, den „Yogi-Airlines“ (der Busgruppe, die die Funken immer anführt), den „Ehemaligen“, die länger als 25 Jahre dabei sind, und den „Eierbären“, einem Stammtisch um „Obereierbär“ Wilfried König. Unser kölscher Inder trägt übrigens mit Stolz den Eierbären Nummer 2.
Was Eamon besonders am Karneval schätzt, ist die Kameradschaft sowie die Freude, die man selbst hat und anderen vermittelt. Freunde hat er auch in anderen Gesellschaften, etwa bei den Roten Funken. „Es gibt überall Bekloppte“, urteilt er liebevoll. „Aber die Blauen Funken sind etwas Besonderes. Denen würde ich nie abtrünnig werden.“
Karneval ist auch Sozialarbeit. Das hatte man im Jugendclubhaus St. Gereon erkannt (in der Pfarre arbeitet Fernandes auch im Kirchenvorstand mit) und feierte mit den Kindern wie mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen jedes Jahr eine Sitzung. Eamons Geschwister, die zum Teil in Kanada leben, staunen jedes Mal, wenn sie ihn besuchen: „Wie kommt es, dass du alle Leute kennst?“ Doch das ist einfach: „Wenn man sich öffnet, kann man viel lernen, Freunde und Freude haben.“
Eamon Fernandes ist glücklich, dass er eine liebe Frau und drei reizende Kinder hat. Rundum zufrieden, in Köln zu leben, stellt er fest: „Nirgends woanders hätte ich mich so wohl gefühlt wie in Köln.“ Immer trägt er einen Kölner Dom am Revers, und, nebenbei, ist er auch einem gelegentlichen Kölsch nicht abgeneigt. Nur einmal im Jahr will er ein anderer sein: auf der Kostümsitzung der Blauen Funken im Sartory. Dann kostümiert er sich als Inder mit richtigem Turban.