LONDON. Der erste Weg von Alexander Popp nach einem Matchball führte stets zu dem kleinen älteren Herrn mit der Mütze in der ersten Zuschauerreihe. Runde für Runde konnte man in Wimbledon beobachten, wie der lange Schlaks seinen Trainer in den Arm nahm. Zwei gegen den Rest der Welt, gegen alle Widrigkeiten des Tennisspieler-Lebens.
Es müssen diese Momente des restlosen Glücks nach einem Sieg sein, die für die zahlreichen Entbehrungen der Vergangenheit entschädigen. Unglücklich, sagt Helmut Lüthy, unglücklich seinen die letzten drei Jahre gewesen. Seit neun Jahren betreut der Mittfünfziger den Mannheimer Tennisprofi. Der Alexander ist ein ganz feiner Kerl mit einem ganz sauberen Charakter, sagt Lüthy. Es ist offenbar eine Beziehung, die über ein normales Trainer-Spieler-Arbeitsverhältnis hinausgeht. Alle seine ehemaligen und aktuellen Schüler schwärmen von dem Mann mit dem Badener Akzent.
Helmut Lüthy ist ein total netter Mensch, ein ganz sympathischer Typ, sagt selbst Boris Becker, der vor seinem Durchbruch zum Weltstar unter Lüthy in Mannheim trainierte. Der Mann ist offenbar ein Tennisverrückter im besten Sinn. Seine Basis ist ein kleiner Klub außerhalb von Viernheim, jahrelang hat er sich auch um die Bundesligamannschaft von Grün-Weiß Mannheim gekümmert.
Sein Geld hat Lüthy als erfolgreicher Geschäftsmann mit Elektro- und HiFi-Zubehör verdient und sich nebenbei sein Tenniswissen angeeignet. Ein überragender Spieler war Helmut Lüthy nie. Sein Geschäft hat er vor ein paar Jahren verkauft, um sich dann ganz auf sein Hobby konzentrieren zu können. Er ist ein absoluter Tennisfreak, sagt Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen, der auch ein ehemaliger Lüthy-Schüler ist: Er macht hartes Training und fordert absolute Disziplin. Aber es ist immer viel Spaß dabei, und er kann gut vermitteln.
Kühnen selbst arbeitete auch mit Lüthy zusammen. Auch damals galt schon das Prinzip, dass immer zwei, drei talentierte Jugendliche bei den Großen" mittrainieren durften. Ich erinnere mich noch ziemlich genau , wie eines Tages ein langer, dünner Blondschopf auftauchte", erzählt Kühnen - es war Alexander Popp. (sid)