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Erfolgsgeschichte mit Wurzeln, Blättern und Blüten

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Sie hatten die richtige Nase für ein lukratives Geschäft: Der Kaufmann Rudolf Lappe hatte während seiner Ausbildung in einer Ehrenfelder Apotheke erkannt, welches Entwicklungspotenzial in getrockneten Wurzeln, Blättern, Blüten und Früchten liegt. Sein Kompagnon, der Apotheker August Nattermann, steuerte das notwendige Fachwissen und den klangvollen Namen bei, unter dem ab Januar 1906 das gemeinsame pharmazeutische Unternehmen firmierte. Heute gehört es zum französischen Konzern Sanofi-Aventis.

Seinen Ursprung nahm das Unternehmen in der Augusta-Drogerie, die Nattermann an der Stephanstraße betrieb. Lappe und Nattermann entwickelten Fertigpräparate mit standardisiertem Arzneigehalt - ein Novum, das auf dem Markt von Anbeginn erfolgreich war. Anders die Verbindung der zwei Geschäftspartner: Schon im März 1909 erschien im Handelsregister Rudolf Lappe als alleiniger Inhaber. 1926 baute er an der Eupener Straße die erste eigene Fabrik zur Erforschung, Entwicklung und Herstellung pflanzlicher Arzneimittel.

Nachdem im Zweiten Weltkrieg fast alle Fabrikationsgebäude zerstört worden waren, begann mit dem Wiederaufbau der steile Aufstieg des Unternehmens. 1950 wurden mit 284 Mitarbeitern 4,2 Millionen Mark umgesetzt, zehn Jahre später mit 654 Beschäftigten 24,4 Millionen Mark. 1974 erzielten 2495 Mitarbeiter einen Umsatz von weltweit fast 250 Millionen Mark, 1980 waren es rund 2000 Mitarbeiter und 315 Millionen Mark. Schließlich rangierte Nattermann auf Platz 6 der größten Arzneimittelhersteller in der Bundesrepublik. Anfang der 60er Jahre baute Nattermann ein neues Werk in Bocklemünd, das mehrfach erweitert wurde. Neben pflanzlichen Mitteln widmete sich die Firma nun auch synthetisch-chemischen Verbindungen.

Gegen Blutarmut

und Bluthochdruck

Schwerpunkte waren Medikamente gegen Lebererkrankungen, Blutarmut, Bluthochdruck, Arteriosklerose, Rheuma, Fettstoffwechselstörungen. Anfang der 80er Jahre kam die Wende, der Inlandsumsatz war bereits eingebrochen, der weitere Ausbau von Auslandsniederlassungen erwies sich als schwierig.

In der Folge wurde 1986 das Familienunternehmen Nattermann an den französischen Chemie- und Pharmakonzern Rhône-Poulenc verkauft. Heute fertigt Nattermann rund 15 Prozent seiner Präparate für den deutschen Markt, 85 Prozent für den Export in alle Welt, vor allem nach Frankreich. Ende der 90er Jahre fusionierte Rhône-Poulenc mit der Hoechst AG und gründete ein neues Unternehmen namens Aventis, das 2004 von Sanofi geschluckt wurde. Unter der Regie von Sanofi-Aventis sind an der Bocklemünder Nattermannallee heute 400 Mitarbeiter mit der Produktion von jährlich 100 Millionen Arzneimitteln beschäftigt.