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Erinnerungen an das alte Hartegasse

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HARTEGASSE / SÜNG. Es war die Schließung des Edeka-Supermarktes Stelberg in der Anton-Esser Straße vor knapp einem Jahr (die BLZ berichtete), die Heribert Voß bewog, sich während des langen Winters einmal Gedanken zu machen. Und zwar darüber, wie viele Geschäfte es früher, in den 1950er Jahren in Hartegasse und Kapellensüng gab und wie die Bewohner früher „im Ort“ ihren Lebensunterhalt verdienten.

An viele Namen, Läden und ihre Lage kann sich Voß noch selbst gut erinnern, außerdem befragte er viele ältere Nachbarn und seinen Freund Günter Jacobi aus Heibach, aus dessen Archiv auch die Bilder stammen. Die Aufstellung zeigt, wie die Menschen der Pfarrgemeinde Süng früher ortsnah ihr Geld verdienten und wo sie es im Dorf auch wieder ausgeben konnten. „Ich wollte dies niederschreiben, damit nicht vergessen wird, was es früher alles in und rund um unser lebendiges Kirchdorf Hartegasse / Süng gab“, erklärt Heribert Voß heute.

Die Aufstellung umfasst neben Kirche und Schulen vor allem eine heute verblüffende Vielfalt und große Zahl von kleinen Geschäften und Familienbetrieben. Immerhin acht Lebensmittelläden fielen Voß ein, meist kleine Tante-Emma-Läden. „Üblich war es, dass man dort anschreiben lassen konnte. In jedem Laden gab ein Büchlein, einmal im Monat zahlte jede Familie“, erinnert sich Heribert Voß.

In Breun gab es zwei Lebensmittelläden, die von den Familien Wildangel und Engelbert betrieben wurden. In Hartegasse hatten die Familien von Erich Tix und Olga Spicher zwei solcher Lebensmittellädchen, in Süng existierten Läden von einer Frau Hausmann, von Klara Spicher und Katrin Elisabeth, in Steinenbrück gab es den Laden von Frau Meier und in Ohl betrieb die Familie von Hugo Scheurer einen Lebensmittelladen.

Rund um Hartegasse und Süng gab es in den 1950er Jahren 69 kleine und mittlere Bauernhöfe - ganze Familien, die von der Landwirtschaft lebten. Heute sind es nur noch sieben Höfe.

Zwei Wassermühlen mitsamt Bäckerei gab es, eine in Hartegasse mit dem Müller Richard Höller und eine in Breun, betrieben von Otto Kemmerich. Dazu gab es zwei weitere Bäckereien der Familie Strothmüller in Hartegasse und der Familie Schulte in Süng. Auch für die Unterhaltung war gesorgt: In die Gaststätte von Alois Kötter in Heibach zog es am Wochenende vor allem die Jugend hin, denn dort gab es den ersten Musikautomaten, eine richtige Musicbox. Zum Tanz gingen Jung und Alt auch gerne in die Gaststätte Sprenger-Roth mit ihrem großen Saal. Ausflügler und junge Reisende von außerhalb kamen in der Jugendherberge am Mühlenweg direkt an der Sülz unter. Es gab sogar einen Märchenwald oder eine so genannte Märchenwiese, die sich in der Nähe der heutigen Firma Peffeköver befand. „Der Eintrittspreis betrug 20 Pfennig, dort gab es um 1952 das erste Eis am Stiel weit und breit, damals eine Sensation für Kinder und Jugendliche“, berichtet Voß. Als Damen-und Herrenfriseur kümmerte sich Bernhard Eichler in Hartegasse um den modischen Haarschnitt.

Vier Schuster kümmerten sich um Sohlen und neue Schuhe: Wilhelm Klee in Breun, Hubert Prinz in Hammen bei Schlüsselberg, sowie Hermann Sax und Emil Börsch, beide in Hartegasse. Zigaretten und Tabakwaren gab es bei Josef Funken, der in der Gasse bei der Gaststätte Tix seinen Laden hatte und die Gastwirtschaften mit seinem alten Motorrad mit Anhänger belieferte. Rudi Dahl betrieb bis vor einigen Jahren sein Radio- und Fernsehgeschäft in Steinenbrücke. Andere Elektrogeräte aller Art, vor allem Landmaschinen wie elektrische Dreschmaschinen, Elektroherde und Waschmaschinen verkaufte und reparierte die Firma Erich Schnickmann in Hartegasse. Als Hufschmied für Pferde betrieb Jakob Müller eine Schmiede mit Landmaschinenhandel in Steinenbrücke.