Es ist so praktisch: Ob Pasta mit Lachs in Sahnesauce oder Tomatensuppe - man muss weder Koch sein, noch viel Zeit und Muße haben, um in der Mittagspause oder abends eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu zaubern. Wer eine Mikrowelle besitzt, muss sich nur wenige Minuten gedulden bis er - „ping“ - ein heißes Gericht servieren kann. Das Gerät kann nicht nur erwärmen, sondern auch garen, auftauen oder einfach nur schnell das Teewasser erhitzen und ist deshalb in vielen Haushalten zum festen Bestandteil des Kücheninventars geworden.
Trotzdem hat man oft ein ungutes Gefühl, wenn man sein Essen in der Mikrowelle zubereitet. Einst von Ernährungswissenschaftlern ausgesprochene Warnungen vor krebserregender Strahlung, die auch noch die Nährstoffe im Essen zerstört, geistern im Hinterkopf herum. Ist das Gefühl berechtigt? Oder tun wir der Mikrowelle unrecht?
„Dass Nährstoffe beim Erwärmen verloren gehen, ist keine Besonderheit der Mikrowelle“, weiß Gereon Broil, Ernährungswissenschaftler im Bereich Haushaltstechnik an der Uni Bonn. Wer in der Mikrowelle nicht nur fertiges Essen erwärmt, sondern sie auch zum Garen benutzt, hat sogar einen Vorteil: „Wenn ich die Mikrowelle richtig anwende, ist die Zubereitung schonender als beim Kochvorgang“, sagt Broil. Denn die Erwärmung erfolgt schneller und es ist kein langer, nährstoffraubender Kochvorgang nötig. Voraussetzung für die schonende Zubereitung ist allerdings, dass die Lebensmittel auch in der Mikrowelle nicht heißer und länger als nötig erwärmt werden. „Beim Garen von Gemüse im Kochtopf gehen Nährstoffe ins Wasser über, welches man üblicherweise nach dem Kochvorgang wegschüttet. Verwendet man das Wasser dann nicht weiter, etwa für eine Suppe, sind die Vitamine verloren“, so Broil. Für den Garvorgang in der Mikrowelle ist dagegen nur sehr wenig Wasser nötig - und dadurch gehen auch weniger Nährstoffe verloren. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Mikrowellenbehandlung von Lebensmitteln nicht schädlicher ist als konventionelle Zubereitungsverfahren“, so Anja Schulte-Lutz vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass die für das Gerät angegebenen Garvorschriften eingehalten werden. „Sonst kann es zu Überhitzung der Lebensmittel oder durch unzureichende Erwärmung zu einer mangelhaften Keimabtötung kommen.“
Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärt, es gehe keine Gesundheitsgefahr von Mikrowellen aus. Nach zahlreichen Untersuchungen kommt man dort zu dem Schluss, dass sich die Lebensmittelinhaltsstoffe bei der Mikrowellenanwendung nicht anders verhalten als bei anderen Garmethoden.
Und wie sieht es mit der vermeintlich gefährlichen Mikrowellenstrahlung aus? „Haben die Mikrowellenstrahlen die Mahlzeit erwärmt und somit ihre Wirkung erzielt, sind sie sozusagen verbraucht und es bleiben auch keine Rückstände in der Nahrung zurück“, erklärt Gereon Broil. So werde die Zusammensetzung des Essens nicht verändert.
Zwar tritt trotz guter Isolierung der Geräte unter Umständen eine sogenannte „Leckstrahlung“ nach außen. „Sie trifft auf alles, was ihr in die Quere kommt, also beispielsweise auch eine Hand, die sich vor dem Gerät befindet“, sagt der Experte. Etwas anderes, als diese kaum merklich zu erwärmen, bewirke sie jedoch nicht. Um wirklich Verbrennungen hervorzurufen, dafür sei sie zu schwach. „Die UV-Strahlen bei schönem Sonnenschein sind problematischer“, so Broil. Direkt vor dem Mikrowellenherd stehen und seinem Essen beim Garen zusehen, sollte man jedoch nicht. Die Augen können die entstehende Wärme nämlich schlecht ableiten und so Schaden nehmen. Auch die Fortpflanzungsorgane sind empfindlich gegen Mikrowellenstrahlung.
Tests des Bundesamts für Strahlenschutz ergaben jedoch, dass die Leckstrahlung im Mittel bei einem Prozent des festgelegten Grenzwerts an der Geräteoberfläche liegt. „Und diese nimmt schon nach kurzer Entfernung vom Gerät rasch ab“, so Anja Schulte-Lutz vom BfS. Krebserregend sei sie nicht. „Ist ein Mikrowellengerät jedoch defekt, besteht die Möglichkeit, dass die austretende Strahlung das zulässige Maß überschreitet“, erklärt Broil. Dass jemand auf diese Weise zu Schaden käme, sei denkbar, dokumentiert sei ein solcher Fall allerdings noch nicht. Dauert das Erwärmen auf einmal ungewöhnlich lange oder funktioniert das Gerät nicht richtig, sollte man es jedoch überprüfen lassen.
Ob ein alter oder ein neuer Mikrowellenofen verwendet wird, ist unerheblich: „Unsere Tests wurden sowohl mit alten als auch mit neuen Geräten durchgeführt - die Leckstrahlung war die gleiche“, berichtet Schulte-Lutz. Optimiert wurden Mikrowellengeräte in den letzten Jahren nur hinsichtlich der immer vielfältigeren Verwendungsmöglichkeiten. So können moderne Kombinationsgeräte mittlerweile auch backen und grillen. „Und erzielen bei richtiger Anwendung erstaunlich gute Ergebnisse“, so Ernährungswissenschaftler Broil. „Die dem Gerät zugrunde liegende technische Funktionsweise hat sich jedoch nicht geändert.“ Alte Geräte sind also nicht unsicherer als neuere, sofern sie nicht defekt sind. Sie leisten nur weniger. „Reis kochen in der Mikrowelle ist schwierig, aber nicht unmöglich, und selbst eine knusprig gebackene Pizza kriegt man mit einem guten Gerät hin“, so Broil. Kuchen backen, Rührei zubereiten - es gibt wenig, dass sich heute nicht in der Mikrowelle zubereiten lässt. Die Anwendung ist dadurch zwar teilweise komplizierter geworden, aber das Gerät kann bei kleinen Portionen sogar Ersatz für einen Ofen sein.
Wer sie richtig anwendet, kann die Mikrowelle also benutzen, ohne dabei ein ungutes Gefühl haben zu müssen. Ungesund sind in der Regel nämlich eher die mit Fett, Geschmacksverstärkern oder Konservierungsstoffen überladenen Fertigprodukte für die Mikrowelle aus dem Tiefkühlregal.
