KERPEN – Es ist eine mühselige Arbeit, und sie geht direkt in den Rücken. Denn von Hand werden die bis zu acht Kilogramm schweren Weißkohlköpfe vom Strunk auf dem Feld abgeschnitten, einzeln werden sie anschließend mit der Picke aufgespießt und auf einen Anhänger gehoben.
Schon im August hat die Ernte begonnen. „Jetzt geht es in den Endspurt, denn bis November muss ich den Weißkohl eingeholt haben“, sagt Heiner Dieckmann. Selbst packt der 59-jährige Landwirt mit an, wenn es darum geht, das Gemüse auf dem Acker zu ernten. Den Hof führt er in der zweiten Generation.
Außer dem Weißkohl baut er auch Zwiebeln und Getreide auf insgesamt 80 Hektar Boden an. Schon sein Schwiegervater hat in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dem Hof eine kleine Sauerkraut-Fabrikationsstätte angeschlossen. Dort wird der Weißkohl frisch vom Feld direkt weiter verarbeitet. Wieder müssen Heiner Dieckmann und seine Helfer dazu den Kohl in die Hand nehmen. Denn einzeln wird zunächst der dicke Strunk aus dem Kohl herausgeschnitten. Dann werden die äußeren Blätter zunächst von Hand, danach auch noch maschinell entfernt. Erst wenn der Kohlkopf rundherum sauber ist, rollte er über ein Förderband zwischen die Messer. Heraus kommt das auf sechs bis acht Millimeter Breite geschnittene Kraut.
Weiter wandert der geschnittene Kohl über Förderbänder bis zum Silo, wo bereits die Mitarbeiter auf das Kraut warten. Immer wieder laufen sie in Gummistiefeln und mit einer bodenlangen Schürze bekleidet über die Masse. „Das muss sein, um die Luft herauszupressen“, erklärt der Landwirt. Anderenfalls könnte es zu falschen Gärungsprozessen kommen.
In Schichten von etwa 20 Zentimetern wird die Masse gleichmäßig mit Salz bestreut. „Rund 20 Gramm Salz pro Kilogramm Kohl“, erklärt Heiner Dieckmann. Bis zu fünf Tonnen Kraut passen in ein Silo, das am Ende luftdicht verschlossen wird. Vier bis sechs Wochen lang gärt das Kraut dann vor sich hin. „Dann ist das Sauerkraut fertig“, sagt Heiner Dieckmann.
Als „Heinzelmännchen-Sauerkraut“ verkauft der Landwirt seinen „Soore Kappes“ frisch vom Silo direkt ab Hof und an den Lebensmittelhandel. „Seit einigen Jahren kommen allerdings auch verstärkt junge Leute, die das Kraut frisch geschnitten kaufen, um ihr Sauerkraut dann selbst anzusetzen“, sagt Heiner Dieckmann.
25 000 Weißkohl-Pflänzchen hat der 59-Jährige pro Hektar im April und im Mai in die Erde gepflanzt. Als zum Sommeranfang die große Hitze einsetzte, befürchtete Heiner Dieckmann schon das Schlimmste. „Weil die Rheinbraun hier das Grundwasser abpumpt, müssten wir, um an Grundwasser zu kommen, bis in eine Tiefe von 250 Metern bohren“, erklärt er. Das allerdings würde die finanziellen Möglichkeiten der Landwirte in der Region übersteigen. So tiefe Bohrungen könne sich weder er noch viele seiner Kollegen leisten.
„Es war eine Minute vor zwölf, als der Regen endlich kam“, berichtet Heiner Dieckmann von der Geschehnissen im Sommer. Viel hätte damals nicht mehr gefehlt und seine Pflänzchen wären auf dem Feld vertrocknet. Beim Weizen kam der Regen schlichtweg zu spät. Auch bei seinen Zwiebeln musste er Ernte-Einbußen von rund 30 Prozent hinnehmen. „Mein Weißkohl hat sich allerdings wieder weitgehend berappelt“, freut er sich angesichts der jetzt vollen Sauerkraut-Silos.
Solange es seine Gesundheit erlaubt, will Heiner Dieckmann den Hof weiterführen. Einen Nachfolger hat er noch nicht. Beide Töchter haben sich beruflich anders orientiert.