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ErntedankfestDen Wert von Lebensmitteln schätzen

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Kritische Töne schlugen Hans Schorn (v.l.), Landrat Günter Rosenke und Pastor Michael Eschweiler beim Erntedank-Empfang an. Für ein reichhaltiges Büfett sorgten Karin Gräf und der Kreisverband der Rheinischen Landfrauen. (Foto: Kreis Euskirchen)

EUSKIRCHEN – Die Herbstzeit ist bekanntlich Erntezeit. Traditionellerweise wird in dieser Zeit auch das Erntedankfest gefeiert - ein Fest, das in der heutigen Zeit durchaus auch nachdenklich stimmen kann. Dies zeigte auch der Erntedankempfang der Kreisbauernschaft im Kreishaus.

Zum 15. Mal waren Vertreter der Politik, Wirtschaft und natürlich die Landwirte aus dem Kreisgebiet zum Empfang geladen. „Das bietet uns die Gelegenheit, sich Gedanken darüber zu machen, dass unser täglich Brot keine Selbstverständlichkeit ist“, sagte Landrat Günter Rosenke zu den rund 100 Gästen.

Der Erntedankempfang sei eine Gelegenheit, innezuhalten und dankbar zu sein. „Unwetter haben uns in letzter Zeit gezeigt, dass der Mensch die Natur doch nicht vollkommen berechnen und beherrschen kann“, so Rosenke. Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiteten, besäßen eine innere Ehrfurcht vor der Natur, denn sie seien wie keine andere Berufsgruppe auf die Natur angewiesen.

Die Aspekte der Ehrfurcht vor der Natur und der Wertschätzung von Lebensmitteln griff auch Pastor Michael Eschweiler in seiner kurzen, aber unterhaltsamen Rede auf. „Eine Esskultur, in der alles nur schnell und billig sein muss, bringt den Nahrungsmitteln nicht die nötige Wertschätzung entgegen“, so der Pastor. Doch die Wertschätzung, die der Mensch den Lebensmitteln entgegenbringe, zeige auch die Wertschätzung die er sich selbst entgegenbringe. „Die gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie oder mit Freunden sind wichtig für unser gesellschaftliches Miteinander. Leider werden sie immer seltener“, sagte Eschweiler.

Landwirt und Kreisbauernschaftsvorsitzender Hans Schorn griff in seiner Rede viele brisante Themen auf: Hungersnöte in Ostafrika, Lebensmittel als Spekulationsobjekte an den Finanzmärkten, Energiegewinnung aus landwirtschaftlichen Produkten und Beihilfen aus der EU-Agrarpolitik waren einige Aspekte, die Schorn kritisch ansprach. „Die Bedeutung, im Zentrum der Lebensmittelproduktion zu stehen, verlangt von uns allen - von Bauern, aber auch von den Mitarbeitern und Unternehmern der gesamten Lebensmittelkette - besondere Verantwortung.“

Darüber solle allerdings nicht vergessen werden, dass Landwirtschaft ein Wirtschaftsbereich bleibe, der nicht bis ins kleinste Detail geregelt werden könne.

Große Ernteausfälle

blieben aus

„Heutige Landwirte fühlen sich zunehmend in ein Korsett der europäischen und nationalen Agrarbürokratie mit Gesetzen, Auflagen, Verordnungen, Ver- und Geboten gezwängt “, so Schorn.

Das ungewöhnliche Wetter in diesem Jahr habe nicht zu sehr großen Ernteausfällen geführt. „Im Vergleich zum Vorjahr sind die Getreideerträge zehn Prozent geringer. Das kompensiert sich allerdings durch höhere Preise“, so Schorn. Die Kartoffelernte sei gut gewesen, in der Zuckerrübenernte erwarten die Landwirte sogar ein Rekordjahr. „In der ersten Erntephase haben wir schon sensationelle Erträge ernten können. Die Rüben sind auch sehr süß“, so der Vorsitzende. Jetzt müsse es allerdings regnen, da sonst die Rüben nicht mehr aus dem harten Boden geerntet werden können.