MECKENHEIM. Einen solchen Medienauftrieb hatte die Stadt Meckenheim seit der Abwahl von Bürgermeisterin Yvonne Kempen nicht mehr erlebt. Auf dem Kirchplatz, umringt von Reportern und schaulustigen Meckenheimern, verlas der des Amtes enthobene Pfarrer Michael Jung gestern Nachmittag eine fünfseitige Erklärung.
Erneut, und in schärferem Ton als bisher, forderte Jung den Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, auf, die Amtsenthebung zurückzunehmen. Meisner, erklärte Jung, habe ihm am Dienstagabend mit Suspendierung gedroht, falls er nicht bis 12 Uhr mittags am Mittwoch einen Amtsverzicht unterschreibe und alle Schlüssel abgebe. Das hatte Jung nicht getan - die Suspendierung vom Priesteramt folgte nach seiner Pressekonferenz am Nachmittag.
Die Frage der Schlüssel ist symbolisch, erklärte Michael Jung, handelte es sich bisher um einen Machtkampf, so überträgt Herr Kardinal Meisner den Konflikt nun auf den sakramentalen Glaubensinhalt der Kirche, indem er mir die Ausübung meines Weiheamtes untersagt. Suspendierung heißt, dass Jung keine Messe mehr lesen, keine Sakramente mehr spenden darf, alle priesterlichen Amtshandlungen sind untersagt.
Am Nachmittag wiederholte Jung seine Kritik am Erzbistum, unter anderem, dass er zu keinem Zeitpunkt eine bischöfliche Visitation nach Kirchenrecht verweigert habe, ihm dies aber zum Vorwurf gemacht werde. Ganz entscheidend für das Bistum war, dass Jung der Kirche öffentlich Veruntreuung vorgeworfen habe. Der Pfarrer räumte dazu ein: In der Tat habe ich in den Pfarrnachrichten den unklug formulierten Satz geschrieben: ,Dieses Geld sind Ihre Kirchensteuern, die veruntreut werden, da wir seit bald einem Jahr unterbesetzt sind. Nicht Geld, sondern fehlendes Personal sei gemeint.
Jung beschrieb die Eskalation zwischen ihm und dem Erzbischof mit harten Worten: Ist es eine Provinzposse? Ist ein Pfarrer einfach ein Querkopf? Nein, ein Bischof verweigert sich der Kritik und verliert langsam die Kontrolle über sein Generalvikariat. Zwei Mal war Jung in den vergangenen Tagen aufgefordert worden, Amt und Schlüssel für die Amtsräume abzugeben. Dazu der Pfarrer: Ich war wütend über die Priester und Mitarbeiter des Erzbistums. Ich glaube aber, dass es sich dabei im Wesentlichen um den ehrlich gemeinten Versuch handelt, das Verhalten von Kardinal Meisner zu tarnen, um Schaden von der Kirche abzuhalten. Generalvikar Dominik Schwaderlapp hat die Kirchenvorstände, den Pfarrgemeinderat und die Verbandsvertretung des Seelsorgebereichs am Mittwoch schriftlich über den Konflikt informiert. Der ganze Vorgang stimme ihn mehr als traurig, aber Jung spiele sich zum Richter über die Legitimität der gegen ihn nach einem monatelangen Verfahren getroffenen Entscheidung auf, deren Bekanntgabe er sogar durch Einschaltung staatlicher Gewalt zu verhindern suchte.
Jung bleibe Priester und dürfe vorerst weiter im Pfarrhaus gegenüber der Kirche wohnen. Sobald er anerkenne, dass er als Pfarrer von Meckenheim des Amtes enthoben ist, werde die Suspendierung gestoppt, erklärte Erzbistums-Pressesprecher Christoph Heckeley.