Unnachahmlich, wie sie Männer im Publikum anhimmelt und ihnen Kusshändchen zuwirft. Die Herren schüttelt es dabei, denn Et Tusnellche wirkt doch erschütternd hässlich mit dem komischen Hut, dem im halben Gesicht verschmierten Lippenstift und ihrer Art, breitbeinig dazustehen und verlegen an der großen Handtasche zu nesteln. Dabei ist das Tusnellche doch nur die Type, die die 57-jährige Annemie Brendt für die Karnevalsbütt entwickelt hat. In der Session 1989 / 90 gelang der Frau aus Linnich (bei Düren) auch im Kölner Karneval der Durchbruch in der Figur des hässlichen Entleins.
Doch für diese Session hat sie sämtliche Auftritte absagen müssen wegen gesundheitlicher Probleme: Ich habe einen sehr hohen Blutdruck entwickelt, was sich schlecht auf das Herz ausgewirkt hat. Dadurch bin ich immer kurzatmiger geworden. Der Kardiologe hat ihr klar gemacht, dass die Auftritte lebensgefährlich werden könnten; auch auf der Arbeit - Brendt ist Telefonistin im Forschungszentrum Jülich - ist sie krankgeschrieben.
Es ist schade - für mich, denn ich würde gern noch ein paar Jahre auftreten - aber auch für die Vereine, denen ich absagen muss, bedauert sie. Die Behandlung mit Medikamenten hat bislang kaum angeschlagen, doch man muss Geduld haben. Die Ärzte glauben, dass das bis nächstes Jahr in den Griff zu kriegen ist. Dann komme ich gern wieder auf die Bühne zurück. (vol)