In Köln wird bis 2007 das erste Protonentherapie-Zentrum in Nordrhein-Westfalen errichtet. Bereits im Februar nächsten Jahres nimmt eine vergleichbare Anlage in München ihren Betrieb auf. Die beiden deutschen Städte werden damit europaweit über die ersten großen Kliniken für die neuartige Strahlenbehandlung verfügen.
Das „Rhein Proton Therapy Center“ entsteht auf einem Grundstück in Köln-Merheim in direkter Anbindung zum städtischen Klinikum. Mit dem Bau werde in den nächsten Wochen begonnen, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende der künftigen Betreibergesellschaft „ProHealth AG“, Privatdozent Dr. Hans Rinecker gestern.
Die Finanzierung der 180 Millionen Euro teuren Anlage ist gesichert; der Bauauftrag an den Generalübernehmer erteilt. „Mit dem neuen Zentrum wird der Gesundheits- und Wirtschaftsstandort Köln weiter gestärkt“, betonte Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma. Die innovative Form der Krebsbehandlung bedeute einen riesigen Fortschritt für die Stadt und die Patienten aus der Region bis ins benachbarte Ausland. Das Kölner Protonentherapie-Zentrum wird eng mit der städtischen Klinik Merheim zusammenarbeiten. Ein entsprechender Kooperationsvertrag wurde unterzeichnet.
Nach Münchner Vorbild sollen auch in Merheim fünf Behandlungsplätze sowie ein Gästehaus für die Patienten entstehen, die zum größten Teil ambulant behandelt werden. Ausgerichtet sei die Anlage auf bis zu 4000 Patienten pro Jahr, berichtete der Kaufmännische Geschäftsführer der Städtischen Kliniken, Wilhelm Hecker. Inklusive Diagnostik kostet die Therapie pro Patient, unabhängig von der Art des Tumors, derzeit 17 500 Euro. Mit der AOK Bayern, so Rinecker, sei ein Versorgungsvertrag abgeschlossen worden. Eine entsprechende Regelung strebt der Projektentwickler auch in Köln an. Doch für den Vorsitzenden der AOK-Rheinland, Wilfried Jacobs, ist die Standortfrage noch nicht entschieden, nachdem sich auch die Uni-Klinik Essen für den Bau einer Protonentherapie-Anlage stark macht. Jacobs: „Sie ist ohne Zweifel eine Zukunftstherapie. Vieles spricht für Köln, vieles aber auch für Essen, das im direkten Umfeld eine klassische Onkologie vorweisen kann.“ Köln stehe dafür schon vor der Realisierung des Projekts.
Dessen ungeachtet geben sich sowohl Rinecker als auch Hecker optimistisch, dass zur Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ein Muster-Vertrag mit der AOK Rheinland für das Kölner Zentrum zustande kommt, dem die anderen Kassen folgen. Die Privatkassen müssten die Kosten auf jeden Fall übernehmen, so Rinecker. Nach Vorstellungen der Pro Health AG sollen die beiden Kliniken in Bayern und NRW ohnehin nicht die einzigen in Deutschland bleiben. Gespräche über den Bau weiterer Anlagen in Leipzig, Berlin und Hamburg würden bereits geführt.
Doch auch andere Investoren setzen offenbar auf die Zukunftstherapie, die der herkömmlichen Röntgenbestrahlung je nach Lage des Tumors überlegen sein soll. Abgesehen von Essen wurden aus Oberhausen und Mülheim an der Ruhr ähnliche Investitions-Pläne bekannt.
Nach Einschätzung Rineckers wird es in Deutschland künftig durchaus den Bedarf für mehrere Protonentherapie-Standorte geben. Schließlich hat sich die 1999 von dem Münchner Arzt gegründete ProHealth AG selber zum Ziel gesetzt, die Hochpräzisions-Behandlung innerhalb der Europäischen Union klinisch auf eine breite Basis zu stellen.