EUSKIRCHEN. „Karre Willi“ ist tot. Das Euskirchener Original, das zur Kreisstadt gehörte wie das Alte Rathaus, der Dicke Turm oder die Martinskirche, ist in der Nacht zum Montag in einem Mechernicher Hospiz gestorben.
„Karre Willi“, mit bürgerlichem Namen Willi Pauli, ist 67 Jahre alt geworden und wohnte erst seit knapp vier Wochen im Hospiz. Er war unheilbar an Krebs erkrankt. Die Beisetzung ist am Freitag, 30. Mai, um 10.45 Uhr auf dem Euskirchener Friedhof. Feuerwehrmänner werden den Sarg tragen, auf dem bei der vorhergehenden Trauerfeier in der Aufbahrungshalle seine unverwechselbare Polizei-Schirmmütze liegen wird.
Seit Mitte des vergangenen Jahres war „Karre Willi“ allerdings nicht mehr in Euskirchen. Denn besorgte Bürger hatte die Behörden darüber informiert, dass Willi ziemlich verwirrt wirke und drastisch abgemagert sei. „Karre Willi“ wurde in die Psychiatrische Abteilung des Marien-Hospitals gebracht. Über das Euskirchener Amtsgericht wurde Peter von Finckenstein zu seinem Betreuer bestimmt. Der ließ den Zustand von Willi Pauli in der Zülpicher Klinik Marienborn überprüfen mit dem nicht erfreulichen Ergebnis, dass „Karre Willi“ in der geschlossenen Abteilung des Bornheimer Hauses am Kummenberg untergebracht werden musste, weil er weitgehend orientierungslos war. Es bestand die Gefahr, dass er das Haus verlassen und nicht mehr zurück finden würde. Eine passende und vergleichbare Unterkunft in Euskirchen zu finden, in der er so gut versorgt wurde wie in Bornheim, war von Finckenstein leider nicht möglich.
Finanziell war „Karre Willi“ inigermaßen abgesichert. Neben einer Rente, die er wegen seiner früheren Tätigkeit als Verputzer bekam, steckten ihm immer wieder seine vielen Freunde und Bekannten etwas zu. Auch mit seiner Karre und später mit einem Traktor samt Anhänger, für den er den Führerschein gemacht hatte, verdiente er sich ein Zubrot, weil er für die Bürger sperrige Gegenstände transportierte.
Anekdoten ranken sich reichlich um den in Euskirchen geborenen Willi Pauli. Sicherlich wird auch in Zukunft noch so manche Geschichte in den Euskirchener Wirtschaften erzählt werden, in denen das Original abends häufig bei einem Bierchen anzutreffen war.
So etwa die von seinem 55. Geburtstag, den „Karre Willi“ groß im Haus Grober feierte. Doch dazu musste er erst einmal wissen, wie alt er eigentlich wirklich war. Monate vorher tauchte „Karre Willi“ im Büro des damaligen Euskirchener Ordnungsamtsleiters Matthias Jordans auf und fragte: „Kannste ens nohluure, wann ich Jeburtstag han? Kannste och sage, wie alt ich bin?“ Das konnte Jordans - und der Feier mit vielen Überraschungen seitens der Gäste stand nichts mehr im Wege. So hatten die „Öskerche Jonge“ eigens ein Lied für „Karre Willi“ komponiert.