Einen kleinen Umzugswagen zum Selbstfahren hat er sich gemietet. Mit kamen nur eine Menge Bücher, ein Haufen Kleidung und sein moderner Sessel. Am Samstag ging s los. Ganz allein. Dreht Lohmar den Rücken. Geht ins Erzbistum Berlin, um dort katholischer Priester zu werden. David Hassenforder hat sich entschieden. Er komme aus einem „nicht sehr religiösen Elternhaus“, wie er sagt, Vater und Mutter hätten aber auf seinem Lebensweg immer voll hinter ihm gestanden.
Auf den ersten Blick ist die Entscheidung ungewöhnlich für einen 25-Jährigen, der bis dieses Jahr Juso-Vorsitzender in Lohmar (seit 2001), auch Juso-Kreisvorsitzender (seit 2003) und seit 2004 SPD-Stadtverordneter in Lohmar war. Und dann zählt er unter seinen vier großes Hobbys auch noch dieses auf: „Ich bin begeisterter Pokerspieler, habe mir sogar einen Spielkoffer dafür zugelegt.“ - Um gleich die Luft rauszunehmen: Für einen ganzen Spieleabend setzt er im sechsköpfigen Pokerkreis unter Freunden wie die anderen nur symbolisch einen Euro ein. Es sei das Spiel an sich, das ihn fasziniere.
Für David Hassenforder beginnt kein neues Leben, aber ein neuer Lebensabschnitt. Nach dem Abitur interessierte sich der leidenschaftliche Leser, ein weiteres Hobby von ihm, für eine Lehre in der Buchhandlung Bouvier und für ein Lehramtsstudium Deutsch, Geschichte, Religion. Es kam anders. Bei einem Aufenthalt in St. Wendel / Saarland lernte er die dortigen Steyler kennen und entschied sich 2001 für ein Theologiestudium an der Steyler Hochschule in Sankt Augustin. Im gleichen Jahr wurde der gesellschaftlich engagierte junge Mann Juso-Vorsitzender. Mit dem Abschluss Diplom-Theologe bei den Steylern wollte er ursprünglich Religionslehrer werden. Doch während des Studiums reifte in ihm der Priesterwunsch.
Das zu erklären, fällt ihm im Gespräch mit der Rundschau leicht. Es ist in etwa die gleiche Antwort, die er zur Frage nach dem Zölibat und dem Weggang nach Berlin hat. „Ich gehe einfach, weil ich merke, da zieht mich was, da ruft mich jemand. Ich habe keine Familiengründung in meiner jetzigen Lebensplanung, ich sehe mich nicht als Familienvater. Ich möchte Gott und den Menschen dienen.“
In Berlin angekommen, bezieht er zunächst eine grundmöblierte Zwei-Zimmer-Dienstwohnung in der katholischen Pfarrei „Vom Guten Hirten“ Marienfelde. Bis er Priester wird, besucht Hassenforder in den nächsten Jahren das Priesterseminar, arbeitet bei der Caritas, macht ein Sozialpraktikum. Noch zwei weitere Hobbys hat Hassenforder, die er auch in Berlin pflegen will. Er bezeichnet sich als „Filmfanatiker“ und besucht bisher regelmäßig die Programmkinos in Bonn. „Außerdem habe ich einen großen Freundeskreis, der mit der Kirche gar nichts zu tun. Ich will in Berlin ebenfalls Freundschaften auch außerhalb der Kirche schließen.“