BRÜHL.„Max Ernst war ein Schalk, ein Spaßmacher mit viel Hang zu Ulk und Clownerien“, sagt der Autor, Zeichner und Museumsleiter Günter Krüger. Zur Eröffnung des Max-Ernst-Museums ist eine neue Publikation des streitbaren Künstlers erschienen. „Max Ernst macht Spaß“ lautet der Titel der Textcollage, die mit „Fakten statt Legenden“ aufwartet.
Trotz der provokativen Unterzeile ist es keine Kampfschrift geworden, auch wenn Krüger hier Meinungen kund tut, die den Verehrern des Surrealisten kaum gefallen werden. So lobt er Max Ernst zwar als „Materialexperimenteur und Verblüffungsartist par excellence“; die Ergebnisse aber liefen „auf lauter Banalitäten hinaus“. „Nach dem Dada-Sturm und -Drang verlor Max Ernst sich in orientierungslosen Experimenten“, heißt es an anderer Stelle. Dem blies freilich schon 1920 der Wind ins Gesicht: „Die dadaistischen Stammeleien Max Ernsts ernst zu nehmen, seine verquirlten Rätselaufgaben raten zu wollen, fühlen wir uns nicht veranlasst“, schrieb damals eine Tageszeitung.
Günter Krüger befasst sich zum wiederholten Mal mit Max Ernst und dem Dadaismus und bringt in seinem jüngsten Buch seine ganz persönliche Sicht zum Ausdruck. „Viele Kunsthistoriker haben nur voneinander abgeschrieben und die politischen Verhältnisse außer Acht gelassen“ kritisiert er. Max Ernst aber dürfe „nicht aus dem Sinnzusammenhang seiner Zeitgenossenschaft herausgerissen werden“. Krüger hat daher viele Quellen studiert, insbesondere auch Max Ernsts „Biographische Notizen“, um dem Künstler und seinem Werk neue Aspekte abzugewinnen.
„Die politischen Gesichtspunkte spielen in der jüngeren Forschung keine Rolle mehr, dabei ist die Kunst Bestandteil des Zeitgeistes“, so Krüger. Von Max Ernst selbst stammt die Aussage „Dada war eine Bombe“. „Dada war lupenreine Anarchie, wilder Protest gegen den Kapitalismus, in dem das Militär der 1. Stand im Staate war“, betont Krüger. Er hat zahlreiche Zitate zusammengetragen, die er mit persönlichen Statements und Interpretationsansätzen collagenartig kombiniert; die Germanistin Jutta Becher hat das Buch redigiert.
Die aufwändige grafische Gestaltung entstand in Zusammenarbeit mit dem Kölner Fotografen und Verleger Dieter Klein, von dem auch die Fotos stammen. „Das Buch ist eine notwendige Ergänzung zur Eröffnungsausstellung des Museums und richtet sich an alle, die Hintergrundwissen haben wollen“, erklärt der Autor. Dass der „bekennende Anarchist“ Max Ernst auch ein Spaßvogel gewesen ist, zeigen nach Krügers Meinung vor allem die plastischen Werke, die man richtiger als „dreidimensionale Collagen“ bezeichnen solle.
Als Beispiel führt er die „Zwei Gehilfen“ am Rathaus-Brunnen an, die dem Gebäude allerdings den Rücken zuwenden, anstatt es - wie vom Künstler beabsichtigt - anzuspucken. Ins Reich der Legenden verweist er die Annahme, Max Ernst habe im „Brühler Pavillon“, der jetzt das Museum beherbergt, selbst noch das Tanzbein geschwungen. Nicht hier, sondern im 1971 abgerissenen Hotel Belvedere soll sich der Künstler einst vergnügt haben.
Auch wenn man mit Krügers Thesen nicht durchgängig übereinstimmt, so ist der großformatige Band mit seiner ungewöhnlichen Ausstattung doch eine Bereicherung für jeden Max-Ernst-Liebhaber.
Das 80 Seiten starke, leinengebundene Buch ist in der Buchhandlung Köhl, im Antiquariat Schwerd in der Kempishofstr. 82 und beim Verlag Dieter Klein (Tel. 0221 / 541680) zum Preis von 36 Euro erhältlich.