Köln – Olivia und Urmel sind die Einzigen im Hause Golka, die nichts für Weihnachtsmusik übrig haben. Stattdessen haben es sich die beiden im Kühlschrank bequem gemacht und schlafen tief und fest - mindestens bis zum nächsten Frühjahr. Schildkröten machen das so.
Die vier Kinder der Familie hingegen haben in den letzten Wochen mit Begeisterung die Wohnung der Golkas in Weidenpesch zum Klingen gebracht, „Stille Nacht“, „Ihr Kinderlein kommet“ und all die anderen Klassiker rauf und runter gespielt - Max (17) auf der Gitarre, Mona (15) und Mauritz (8) am Klavier, und Meret (11) auf der Flöte.
Als Anja und Thomas Golka vor Jahren als Erste Mona zum Flötenunterricht schickten, ahnten sie wohl noch nicht, dass aus ihrer Kinderschar bald ein ansehnliches Mini-Orchester werden würde. Alle vier Kinder nehmen mittlerweile Musikunterricht an der Rheinischen Musikschule. Zu Hause wird täglich geübt - mindestens eine halbe Stunde lang und in den allermeisten Fällen ganz freiwillig.
Manchmal müssen die Eltern ihren musikalischen Nachwuchs sogar bremsen: „Wenn eines der Kinder am Klavier sitzt, Meret dazu Flöte spielend durch die Wohnung wandert, wir aber gerne fernsehen wollen, dann wird es ab und zu ein bisschen viel,“ erzählt der 46 Jahre alte Kinderarzt. Da ist es gut, dass das moderne E-Klavier der Familie auch einen Anschluss für Kopfhörer hat.
Möglicherweise ist Wolfgang Amadeus Mozart schuld: Dessen Musik spielten die Eltern immer, um den kleinen Mauritz zu beruhigen, der schon als Baby voller Energie steckte und häufig schrie. Oder kommt es von der mit Noten beklebten Wohnzimmerkommode, vor der immer die Krabbeldecke der Kinder lag? Die Eltern sind nicht sicher. Fest steht auf jeden Fall: „Wir haben die Kinder nie zum Musikmachen gezwungen.“ Fragt man Max, Mona, Meret und Mauritz, woher ihre Leidenschaft fürs Musizieren kommt, sind sich die vier zumindest in einem Punkt einig: „Von unserem Vater haben wir s schon mal nicht.“ Der ist, wie er selbst erzählt, nämlich nicht über die Melodica hinausgekommen, die in der Schule Pflicht war.
Heute hat sein ältester Sohn Max manchmal Bedenken, wie das Hobby „klassische Musik“ so ankommt, zum Beispiel bei seinen Mitschülern. „Man könnte uns ja für spießig halten“, mutmaßt er. Dabei hat der 17-Jährige sogar ein äußerst unspießiges Zweit-Hobby: Er ist ein leidenschaftlicher Skateboarder. Sein verschrammtes Sportgerät lehnt vor der Wohnungstür einträchtig neben einem zweiten, etwas kleineren Modell. Mauritz eifert seinem großen Bruder im Tricksen, Springen und Skaten nämlich seit einiger Zeit kräftig nach.
Außerdem hat Max gerade das Geld für den Führerschein zusammengespart. Vielleicht kann er also demnächst seiner Mutter Anja etwas Arbeit abnehmen: Sie ist diejenige, die in den meisten Fällen am Steuer des Familientaxis sitzt, denn auch die beiden Schwestern haben ein paar Nebenhobbys: Mona ist Kunstturnerin, Meret macht Judo. Dennoch, die Musik hat für alle vier Kinder einen besonderen Stellenwert. „Ich finde, man kann beim Musizieren einfach gut entspannen“, sagt Meret, und ihre Geschwister pflichten ihr bei.
Und wie sieht bei Golkas das musikalische Programm an Heiligabend aus? Kunterbunt. „Da gibt es keinen festen Plan“, erzählt Anja Golka, „jeder musiziert, wann und was er möchte.“ Auch zur Bescherung gibt es hin und wieder musikalische Geschenke - Mauritz zum Beispiel hat sogar schon mal ein selbstgeschriebenes Stück verschenkt: Das steckte als Überraschung für seine Mutter Anja im Adventskalender.
Nur zwei werden im Hause Golka von dem musikalischen Genuss zu Heiligabend wieder mal nichts mitbekommen. Kühlschranktüren sollen nämlich sehr schalldicht sein. Andererseits: Haben Schildkröten überhaupt Ohren?