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Familie Host ist komplett jeck

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„Karneval, das sind besoffene, pöbelnde Leute!“ Diese Meinung vertrat der gebürtige Eifeler Erich Host viele Jahre. Doch die Wandlung vom karnevalistischen Saulus zum närrischen Paulus vollzog sich dann in Windeseile. „Schuld war meine Frau“, lachte der 43-Jährige. Petra Baltes-Host (44) ist nämlich richtig jeck, so wie die ganze Familie.

Ihr Vater Josef Baltes war in der Prinzen-Garde und leitete bis zu seinem Tode die Geschäftsstelle des Traditionskorps. Im Oktober 1984 lernten Petra und ihr späterer Mann sich kennen, „im Rosenmontagszug 1985 bin ich als Wagenengel mitgegangen“, erinnerte sich Erich Host, und Aschermittwoch ist er in die Prinzen-Garde eingetreten. Dort ist er Leutnant im Reservekorps, und „aus dem anfänglichen Hobby ist ein Fulltime-Job geworden“, so Erich Host. An die 500 Stunden Arbeit investiert er pro Jahr, hunderte von Mails und Telefonaten sowie bis zu 4000 Kilometer kommen da im Dienste der Prinzen-Garde zusammen.

Erich und Petra betreuen die Kindergruppe der „Mehlsäck“. „Die waren früher eigentlich nur Mitläufer, standen auf der Bühne oder saßen davor, wenn das Korps auftrat“, so Petra Baltes-Host. 2005 überzeugte Erich Host Präsident Heinz Jürgen Palm, dass die Gruppe aufgewertet werden müsse. „Das war die Geburtsstunde der ,PG-Pänz , das Kindertanzkorps der Prinzen-Garde“, erinnerte sich Erich Host. Das Projekt ist es zum Selbstläufer geworden.

32 Pänz zwischen drei und 14 Jahren wuseln da über die Bühne. Trainiert werden sie von der früheren Regimentstochter Katja Maier. In der ersten „richtigen“ Session kommen die „PG-Pänz“ auf 22 Auftritte. Nesthäkchen Inken Host (11) singt und moderiert dabei im Koch-Kostüm.

„Dann komme ich als

Regimentstocher“

Karnevalsbegeistert sind nämlich nicht nur die Eltern: Die ganze Familie ist vom Karnevalsvirus befallen. Henning (17) und Wiebke (13) waren bereits in der Kindergruppe der Prinzen-Garde aktiv, bevor sie aus Altersgründen ausscheiden mussten. Bei Henning ging es nahtlos weiter, er ist mittlerweile Hospitant im Fußkorps der Garde. „Ich habe etwa 40 Auftritte mit dem Korps und der Prinzenwache“, erzählte er stolz. Wiebke wechselte zum Treuen Husaren, wo sie in der Jugendtanzgruppe tanzt. 42 Mal in dieser Session. Für Frauen sind die Aufstiegsmöglichkeiten bei der Prinzen-Garde halt beschränkt. „Ich komme dann eben als Regimentstochter zurück“, lacht Wiebke.

An Karnevalswochenenden wird es dann mitunter stressig für die Familie Host. Die Auftrittstermine müssen minutiös geplant werden. „Ich fahre morgens mit Inken los, dann haben wir über den Tag verteilt mehrere Auftritte mit den ,PG-Pänz . Abends muss ich vom Maritim nach Holweide, wo ich Wiebke einsammle. Später trudeln dann Henning und Erich wieder zu Hause ein“, schilderte Petra Host-Baltes einen typischen Karnevalssamstag. Nachts läuft die Waschmaschine, damit die Uniformen und Kostümen aller Familienmitglieder am nächsten Tag wieder sauber sind. „Da freut man sich auf die Schule am Montag“, kommentierte Henning den Freizeitstress. Doch trotz aller Hektik: „Das gemeinsame Sonntagsfrühstück ist uns heilig“, betonte Erich Host.

So ganz scheint die Familie bei der Prinzen-Garde aber noch nicht ausgelastet zu sein. Alle fünf sind nämlich auch noch Mitglied bei der KG Stromlose Ader. Erich Host und Ehefrau Petra arbeiten beide bei der Telekom, und mit der Familie von Literat Hans-Peter Houben verbindet sie eine langjährige Freundschaft.

Und nach Aschermittwoch? Kommt da der große Urlaub zur Erholung? „Eigentlich nicht“, schmunzelte Petra Baltes-Host. „Schon wenige Tage später läuft bei uns wieder die Karnevalsmusik.“