Der Chefarzt des Adenauer St. Josef Krankenhauses, Dr. Matthias Kötting , hat schon in der Vergangenheit mehrfach ein goldenes Händchen bewiesen. So hatte er im vergangenen Jahr in dem kleinen Provinzkrankenhaus in einer landesweit bisher einmaligen Operation das erste keramische Knie implantiert. Nun hat er erneut bewiesen, wie innovativ auch eine kleine Klinik arbeiten kann: Die 76-jährigen Maria Ruland aus Müsch verdankt dem sympathischen Mediziner ein künstliches Sprunggelenk - eine komplizierte Operation, zu der die alte Dame nach Mainz, Frankfurt oder Köln hätte reisen müssen. Sprunggelenksoperationen erfordern viel chirurgisches Geschick, da die Verankerung des künstlichen Gelenks in den kleinen Knöchelknochen schwierig ist und eine noch so geringe Verschiebung der Achse für den Patienten große Komplikationen nach sich zieht. Zudem ruht das gesamt Körpergewicht auf dem filigranen Gelenk.
Kötting hatte sich vor der Operation an mehreren Fachkliniken in Magdeburg, Dresden und Berlin weitergebildet. Maria Ruland konnte schon nach knapp 14 Tagen das St. Josef-Krankenhaus wieder verlassen. Noch muss sie zwar etwa zwei Wochen einen Gips tragen, kann aber bereits das Bein wieder belasten. Der 44-jährige Matthias Kötting stammt aus Köln, hat aber seit seiner Kindheit eine besondere Bindung an das Adenauer Land. Seine Eltern besaßen ein Landhaus in Herresbach, in dem der kleine Matthias und seine vier Geschwister regelmäßig ihre Ferien verbrachten. Auch Antweiler ist ihm seit Jugendtagen vertraut - als 14-Jähriger verbrachte er mit einer Jugendgruppe die Ferien im alten Pfarrhaus. Damals hat er dort geholfen zu betonieren und die Toiletten neu zu setzten. Aber nicht die Bauarbeiten waren es, die ihm besonders in Erinnerung geblieben sind: Kötting hat das erste Bier seines Lebens in Antweiler getrunken. Das werde ich nie vergessen. Die Gaststätte hieß ,Deutsches Haus' und gehörte einem Wirt namens Willi Brand, schmunzelt er. Nach Abitur und Wehrdienst begann er 1978 sein Medizinstudium in Aachen. Zunächst hatte er mit einem Studium der Philosophie und Musik geliebäugelt, doch sein guter Notendurchschnitt beim Abitur (1,8) lockte ihn in die Medizin. Sein Studium zog er in der Regelstudienzeit durch, nur ein Auslandssemester in der Türkei genehmigte er sich. Während des Studiums ist das Blaulicht in mir gewachsen, erklärt Kötting seine Entscheidung, 1985 als Assistenzarzt im Knappschaftskrankenhaus Würselen anzutreten. Das Haus verfügt über eine der größten chirurgischen Abteilungen im Großraum Aachen. Neun Jahre arbeitete er dort, drei davon als Oberarzt. Dort lernte er seine Frau Ulrike kennen, eine medizinisch-technisches Assistentin, mit der er heute drei Kinder hat. Gemeinsam gingen die beiden nach Duisburg, wo Kötting an der Unfallklinik als Notarzt arbeitete - mit Begeisterung: Der Job war höllisch anstrengend, doch das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden, wog die Strapazen des Alltags auf.
Anzeige machte auf
Adenau aufmerksam
Dennoch, als Kötting dann eine Anzeige las, dass in Adenau ein Chefarzt gesucht würde, traf er eine Entscheidung: Gegen eine glanz volle Karriere in einer renommierten Klinik, für seine Familie, denn seine Frau Ulrike war gerade mit ihrem ersten Kind schwanger. Ich bin ein Familienmensch, bekennt Kötting. Die wenige Zeit, die mir nach einem 12- bis 14-Stunden-Tag als Chefarzt heute bleibt, verbringe ich mit meinen Kindern und meiner Frau. Zuhause spielt er Klavier, liest viel und hat ein Steckenpferd: die Geschichte. Sportlich ist der Mediziner auch, joggt regelmäßig und fährt Fahrrad.
Die Arbeit an einem Provinzkrankenhaus hat für ihn Nach-, aber auch viele Vorteile: Ich treffe meine Patienten beim Einkaufen, in der Kirche - wenn man so will, ist das eine ständige Erfolgskontrolle. Die braucht es beim ihm eigentlich nicht, denn Kötting ist, nach eigenem Bekenntnis Arzt aus Leidenschaft. (mün)