Die Party war ein Riesenerfolg. Und das lag nicht allein am Kölsch, an den hübschen Mädchen und der guten Musik. Vor allem die ungewöhnliche Location faszinierte die rund 200 Gäste auf Anhieb: Aus Anlass ihrer Geburtstage hatten die Brüder Hubertus und Urban Siep gemeinsam mit ihrem Freund Michael Staunau in die ausgediente Fabrikationshalle der früheren Westdeutschen Bohrgesellschaft eingeladen, die bis in die 80er Jahre Bohrgeräte für die Kohle- und Erdölförderung herstellte. Das war vor 18 Jahren.
Girlitzweg, Vogelsang. Wer kannte das damals schon? „Eigentlich suchten wir nur einen geeigneten Ort, um zusammen Geburtstag zu feiern“, erzählt Hubertus Siep. Was lag da näher als das weitgehend verlassene Industriegelände in Familienbesitz, wo die Musik keine Nachbarn störte und die Zigaretten keine Löcher in Teppichböden brannten.
Die zahlreichen Freunde jedenfalls waren begeistert von der Fete mit industriellem Flair. Hubertus Siep: „Wir dachten uns deshalb, so was könnten wir eigentlich öfter machen.“ Gesagt, getan. Alle vier Wochen organisierte das Trio daraufhin in der früheren Werkshalle aus den 50er Jahren große Parties. Ausschank, Musik, Lichteffekte, Eintritt - alles in Eigenregie.
Am Anfang, erzählt der Bankkaufmann, seien die Gäste nur über Mund-zu-Mund-Propaganda gekommen, wenig später schon reisten sie bis aus München und Belgien an. „Wir waren 1988 die ersten in Köln, die eine Industriebrache in ein Kommunikations- und Veranstaltungszentrum umgewandelt haben“, so der 47-Jährige. Die Halle Tor 2 gleich neben den früheren Rheinkies- und Betonwerken mit ihrem markanten Wasserturm wurde im Nu zum In-Treff und avancierte in den folgenden Jahren zu einem professionell ausgebauten Standort für Feiern und Präsentationen aller Art.
Die elf Meter hohe Halle mit ihrer Balustrade, ergänzt durch eine Art Biergarten mit ausfahrbarem Glasdach - der frühere Lkw-Verladebereich der Bohrgesellschaft - dazu ein Bistro mit Zugang zum Atrium sowie ein Café über zwei Ebenen bieten heute Raum für 60 bis 3000 Gäste. Hohe Investitionen haben Hubertus und Urban Siep sowie Michael Staunau als geschäftsführende Gesellschafter der „Köln Connection“ in das Areal gesteckt. Hubertus Siep: „Dabei haben wir immer Wert darauf gelegt, dass der Industriecharakter erhalten bleibt“.
Etwa 50 Prozent der Veranstaltungen machen nach wie vor die Parties aus, darunter die regelmäßige Samstags-Disko von 22 bis 5 Uhr und alle vier Wochen freitags die legendären Coconut-Parties für jene Altersgruppen, die sich in den 70ern in der Diskothek Coconut auf der Pfeilstraße tummelten. Daneben ist das „Tor 2“ - einst Eingang der Fabrikarbeiter - gefragte Adresse für private Feste, Börsengang-Feiern, Auto-Präsentationen, Firmen-Events oder früher auch zur Komet-Preisverleihung, bei der sich schon Promis wie Sting, Queen, Robbie Williams, die Spice Girls und die Back Street Boys ein Stelldichein gaben.
Auch als Filmkulisse setzen sich alte Loren, Stanzen und Bohrköpfe mitunter reizvoll in Szene, so für ein Video-Clip mit Whitney Houston, TV-Serien wie Alarm für Cobra 11 und einen Spielfilm mit Gudrun Landgrebe und Heiner Lauterbach. Und damit dürfte das 60 000 Quadratmeter große Areal sein kreatives Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft haben.