Hanau – Nach einem Feuer mit hohem Sachschaden auf einer Schultoilette in Hanau-Steinheim vermutet die Polizei einen Grundschüler als Verursacher. Nachdem der Feueralarm am Montagmorgen in der Schule ausgelöst wurde, seien die Rettungskräfte dorthin geeilt und hätten die Flammen nach kurzer Zeit unter Kontrolle gebracht, teilte die Polizei am Dienstag mit. Das Feuer sei von einem Toilettenpapierhalter und einem Stoffhandtuchspender ausgegangen, habe auf Gebäudeteile der Jungentoilette sowie Einrichtungsgegenstände übergegriffen und enorm viel Ruß erzeugt. Der Sachschaden wurde auf 20.000 bis 30.000 Euro geschätzt. Verletzt wurde niemand, auch eine Evakuierung der Schule sei nicht erforderlich gewesen.
Durch Ermittlungen an der Schule sei der mutmaßliche Verursacher bereits ausfindig gemacht worden. Bei ihm soll es sich um einen erst neunjährigen Schüler handeln, der mit einem Feuerzeug das Toilettenpapier und die Handtücher angezündet haben soll, so die Polizei. Dadurch habe sich der Brand rasch in dem Raum ausgedehnt. Auch wenn die Beweggründe noch nicht abschließend geklärt seien, so dürften diese „mit einem aktuellen und äußerst fragwürdigen "Trend" in den sozialen Netzwerken in Zusammenhang stehen”. Erste Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass sich der Junge womöglich durch diverse Videos im Netz zu der Tat habe verleiten lassen. Die Ermittlungen dazu dauerten an.
Solche sogenannten „Challenges”, bei denen Einrichtungsgegenstände in Schultoiletten angezündet, verwüstet oder auch entwendet würden, seien keine Kavaliersdelikte und fielen „auch nicht mehr unter die Rubrik Schülerstreiche”, mahnte die Polizei. Solche Handlungen seien nicht nur gefährlich, in aller Regel handele es sich um Straftaten, die je nach Alter des Verursachers auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Auch hohe zivilrechtliche Kostenforderungen könnten auf die Verantwortlichen zukommen.
Der Fall erinnert an Vorfälle an einer Schule in Freigericht im Main-Kinzig-Kreis. Dort hatte der Rektor Konsequenzen gezogen und entschieden, dass das verfügbare Toilettenpapier begrenzt wird, nachdem es wiederholt Probleme mit verschmutzten und verstopften Toiletten gegeben hatte und zuletzt auch eine Klopapierrolle angezündet worden war. Auch in diesem Fall galten „Challenges” in sozialen Netzwerken als Hintergrund.
© dpa-infocom, dpa:220208-99-33583/3 (dpa/lhe)