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Feuersbrunst zerstörte Dorf

4 min

Es war ein kalter Wintermorgen im Februar des Jahres 1757. Jener Vormittag, an dem ein komplettes Dorf an der Erft in wenigen Stunden Schutt und Asche fiel.

WEILERSWIST. Vor genau 250 Jahren brannte das Dorf Weilerswist nieder. 98 der kaum mehr als 100 Häuser fielen dem Feuersturm zum Opfer, der durch die damalige Bauweise aus Lehmfachwerk und Strohdächern begünstigt wurde. Dicht an dicht standen kleinen Tagelöhnerhäuser und landwirtschaftlichen Anwesen. Eine Feuerwehr gab es noch nicht.

Der 1991 verstorbene Weilerswister Heimatforscher Dr. Franz Schorn hat vor genau 50 Jahren Fakten zusammengetragen und in der Kölnischen Rundschau über das schreckliche Ereignis berichtet, von dem sich Weilerswist jahrzehntelang nicht mehr richtig erholt hat, wie der profunde Historiker berichtete.

Verwüstungen im

siebenjährigen Krieg

Im siebenjährigen Krieg, der von 1756 bis 1763 dauerte, blieb auch das Rheinland nicht von Verwüstungen verschont. Doch das Feuer, das am 7. Februar 1757 in einem Weilerswister Haus außer Kontrolle geriet, breitete sich in Windeseile aus und äscherte in kürzester Zeit das komplette Dorf ein. Die meisten Bewohner hatten an jenem Sonntag offenbar am Gottesdienst teilgenommen, so dass sich die Flammen zunächst unbemerkt ausbreiten konnten. Deshalb konnte auch kaum Hab und Gut gerettet werden.

Als die Flammen erloschen waren und nur noch kleine Brandnester in den Ruinen flackerten, waren nicht nur fast 100 Häuser zerstört, sondern auch die Kirche ausgebrannt. An die 500 Einwohner des Dorfes Weilerswist waren innerhalb weniger Stunden obdachlos und mittellos geworden.

Flammen fanden

reiche Nahrung

Damals hatte sich Weilerswist im Bereich der heutigen Bach-, Donau- und sowie der Maritiusgasse, der ehemaligen Kirchstraße, erstreckt und sich bis in den Bereich der heutigen Kölner Straße gezogen. Hier fanden die Flammen reiche Nahrung, sprangen in wenigen Minuten von Haus zu Haus. Nur der Bachhof, so hat Dr. Schorn in seinem Beitrag geschrieben, an der Gabelung von Bach- und Donaustraße sei damals stehen geblieben.

Das hatte Schorn aus einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1876 entnommen. Das damalige Haus Tappert und einige kleine Häuser im Bereich der Post (heutige obere Enggasse / Kölner Straße) blieben erhalten. Auch das Haus Kirchartz, das an der alten Poststraße stand, blieb vom Feuer verschont.

Auf die Bewohner der stehen gebliebenen Häuser sowie die umliegenden Gutshöfe kam eine gewaltige Aufgabe zu: 500 Obdachlose mussten aufgenommen und versorgt werden. Unvorstellbar groß, so Heimatforscher Schorn in seinem Rundschau-Beitrag 1957, sei die Not der Menschen damals gewesen. Dennoch hätten die Weilerswister tatkräftig zugepackt, hätten mit vereinten Kräften aus den Ruinen wieder neue Behausungen errichtet.

Dr. Schorn: „Es gab damals in der ersten Zeit nur wenig obrigkeitliche Hilfen, weil die öffentlichen Kassen entweder die eigene Armee oder die Besatzungstruppen unterhalten mussten; auch gab es noch keine öffentlichen Hilfsaktionen in Form des Roten Kreuzes oder eines größeren Caritasverbandes, und schließlich gab es auch keine Versicherungen, die für den Schaden aufkamen. Die Selbst- und Nachbarschaftshilfe wurde großgeschrieben - und sie bewährte sich.“

Trotz erfreulicher Fortschritte beim Wiederaufbau und wirtschaftlicher Hilfen des Kurfürsten, die freilich erst viele Jahre später einsetzten, blieben die kleinen Leute, die vom Geschehen damals direkt betroffen waren, wirtschaftlich auf Jahrzehnte hinaus ruiniert. Das Dorf Weilerswist hat sich von dem Schlag Jahrzehnte lang nicht mehr erholt und erst mit dem Ausbau der Landstraße von Köln in Richtung Trier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder ein gefälligeres Aussehen erlangt.

Der Anfang des 19. Jahrhunderts stürzte die Landwirte in der Region, und damit auch die in Weilerswist, in eine tiefe Krise. Wieder traf es natürlich die Landarbeiter und Kleinbauern am härtesten, deren finanzielle Reserven gleich Null waren. Dennoch verdoppelte sich die Bevölkerung in gut 100 Jahren.

Soziale Gegensätze

der Industrialisierung

Mitte des 19. Jahrhunderts zählte man 1116 Einwohner in dem Dorf, in dem auch die Industrialisierung langsam Einzug hielt, denn eine erste Wollspinnerei siedelte sich an und gab einigen Einwohnern Arbeit. Doch das verschärfte die sozialen Gegensätze in der Bevölkerung noch.

Vor dem Zweiten Weltkrieg blieb das Dorf, das heute Zentrum der Gemeinde Weilerswist mit gut einem Dutzend Ortschaften ist, von weiteren Katastrophen derartigen Ausmaßes verschont. Auch der Krieg selbst sorgte nicht für eine derartig flächendeckende Verwüstung wie die Brandkatastrophe von 1757.