In Europa laufen die Geschäfte von Ford gar nicht schlecht. Nach einem Milliardenverlust hat das Unternehmen 2004 die Wende geschafft. In diesem Jahr rechnet Europa-Chef Lewis Booth mit einem Gewinn von 100 bis 200 Millionen US-Dollar. Im dritten Quartal hat Ford in Europa aber einen Vorsteuerverlust von 55 Millionen Dollar erlitten. Tiefrote Zahlen fährt die Mutter Ford Motor Company aber in Nordamerika ein. Sinkende Verkaufszahlen und Rabattschlachten sorgten hier für einen Quartalsverlust von 1,2 Milliarden Dollar, so dass auch der Gesamtkonzern in die roten Zahlen rutschte. Ein Sparprogramm wurde aufgelegt, 10 000 Stellen werden gestrichen, darunter 2600 in Europa. Der Großteil des Abbaus trifft Köln. Hier sind 1000 Stellen bedroht, insgesamt 300 Stellen sollen in Saarlouis und im Forschungszentrum Aachen wegfallen.
Wie werden die Stellen abgebaut?
Die Ford-Werke wollen die Stellen möglichst sozialverträglich streichen. Angeboten werden Altersteilzeit, Frühpensionierung und freiwilliges Ausscheiden aus dem Betrieb gegen Abfindung. Ob sich das lohnt, muss jeder mit spitzem Bleistift ausrechnen. Ein Teil der Abfindung ist nämlich steuerpflichtig. Und auch das Arbeitsamt kann bei freiwilligem Ausscheiden aus dem Betrieb noch eine dreimonatige Sperrfrist verhängen, in der es kein Arbeitslosengeld gibt.
Wie hoch ist
die Abfindung?
Ein erstes Angebot von Ende September ist nachgebessert worden. Wer bis zum Ende des Jahres freiwillig geht, bekommt neben einer Abfindung, die sich nach Alter, Betriebszugehörigkeit und tariflicher Eingruppierung richtet, einen Bonus von 20 000 Euro. Zwei Beispiele: Ein 33-jähriger Ingenieur, der fünf Jahre bei Ford war und 4400 Euro im Monat verdient, bekommt eine Abfindung von 42 000 Euro, davon 7200 steuerfrei. Ein 57-jähriger Arbeiter mit einem Monatslohn von 2500 Euro bekommt nach 33 Jahren bei Ford eine Abfindung von knapp 65 000 Euro, 9000 Euro davon steuerfrei. Außerdem erhält er ab dem Ausscheiden 460 Euro Betriebsrente. Betriebsrente ab 55 - das ist eine Ford-Spezialität. Bei anderen Programmen gibt es Betriebsrenten erst ab 63, dafür sind die Abfindungen höher.
Wie hält sich Ford im Wettbewerb?
Der harte Wettbewerb zwinge Ford zur Senkung der Kosten, schrieb Ford-Werke-Chef Bernhard Mattes. Unter Druck sind derzeit alle Volumenhersteller wie Ford, Opel und VW. Sie sind in der Zange zwischen den Premiumherstellern, die etwa mit einem 1er-BMW in dem Segment auf Kundenfang gehen, und Billiganbietern aus Fernost. In Deutschland liegt der Anteil der Marke Ford bei den Neuzulassungen 2005 bei 7,4 Prozent. Ende der 90er Jahre hatte Ford noch einen Marktanteil von über zehn Prozent. In Europa liegt der Ford-Marktanteil aktuell bei 8,5 Prozent.
Wie will Ford nach vorne fahren?
Solide, aber wenig aufregend - das ist das Image der Ford-Autos. Und das wird immer mehr zum Problem. Während 2003 immerhin noch fünf Prozent der Autokäufer angaben, dass ihr nächster Wagen ein Ford sein werde, sind es laut Aral-Studie 2005 gerade noch drei Prozent. Ford-Werke-Chef Mattes will deshalb die Marke emotionalisieren. Die Fords der Zukunft bekommen ein schickeres Blechkleid und moderne Lampen, die Dynamik ausstrahlen. Einen Blick in die Zukunft gab es jüngst auf der Automobilausstellung IAA, wo Ford die Studie Iosis und die neue Großraumlimousine Galaxy präsentierte. Die in Köln gebauten Fiesta und Fusion wurden runderneuert und auch ein lange vermisstes Cabrio mit Stahldach wird es geben.
