KÖLN – Heinz-Erich Lambertin traf das Schreiben wie der Schlag. Seit 1949 hatte er in den Bahnbögen Am Domhof eine Filiale betrieben, als die DB Station & Service AG das Mietverhältnis im März letzten Jahres überraschend kündigte. Er habe fast alle Reparaturkosten selbst getragen, nie geklagt und seine Miete stets pünktlich bezahlt.
„Daher bin ich tief enttäuscht darüber, wie die Bahn mit uns umgegangen ist“, berichtet der Seniorchef des Film- und Fotogeschäfts am Wallrafplatz. Wie berichtet, verhandelt die Bahn derzeit mit anderen Mietinteressenten über die seit Monaten ungenutzten Bahnbögen.
61 Jahre lang hat Lambertin dem Standort die Treue gehalten, was gar nicht immer leicht gewesen sei. „Von 1970 bis heute ist die Gegend eine Dauerbaustelle“, sagt er und zählt auf: Straßensanierung, Bau des Museums Ludwig, Errichtung der Domplatte, Erweiterung des Hauptbahnhofs, Sanierung des Tunnels zum Rhein. Und es habe erhebliche Probleme einerseits mit den Sanitäranlagen, andererseits mit Feuchtigkeit gegeben. In den Jahren 2009/2010 habe er den Betrieb in den Bahnbögen mit Rücksicht auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter weitgehend einstellen müssen.
Dennoch habe er zu keinem Zeitpunkt die Miete gekürzt, und er habe sogar Zukunftspläne geschmiedet, ein Konzept für die Totalsanierung und ein neues Betriebskonzept erarbeitet. „Es sollte ein Profishop der Firma Nikon und ein Leica-Fotoatelier mit je einem Auszubildenden entstehen.“ Und in Kooperation mit der damals benachbarten Galerie Seidel habe er alle vier Bahnbögen säubern, beleuchten und attraktiv gestalten wollen. Und nun, da durch einen grundlegenden Umbau der Unterführung endlich eine Verbesserung des Umfelds in Sicht sei, werde er vor die Tür gesetzt.
Gegenüber der Rundschau mochte sich Bahnhofsmanager Peter Kradepohl nicht zu den Gründen und Umständen der Kündigung äußern. Als Antwort auf einen Protestbrief hatte die Bahn Lambertin im Mai letzten Jahres jedoch mitgeteilt: Der derzeitige Zustand der Miet- und Außenflächen werde sowohl den Erwartungen der Bahn als auch der Passanten nicht mehr gerecht. „Dies führen wir vor allem auf die mangelnde ,soziale Kontrolle’ der Außenfläche zurück“, schreibt die Bahn. Ein Bogen sei nicht genutzt, die Galerie wie auch die Lambertin-Filiale seien „selten personell besetzt“. Daher habe sich die Bahn entschieden, mit einem neuen Mietpartner ein Konzept für alle vier Bahnbögen umzusetzen. „Ich finde, so sollte man mit langjährigen Mietern nicht umgehen“, ist Lambertins Fazit.
Mit dem Pächter von 90 weiteren Bahnbögen hat die Bahn, wie berichtet, einen Vertrag bis 2044 abgeschlossen. Die Stadt drängt darauf, die oft wenig ansehnlichen Bögen nun endlich wie lange versprochen aufzuwerten. Immer wieder habe sie dem Pächter dabei auf allen Ebenen Entgegenkommen signalisiert, stellt Baudezernent Bernd Streitberger klar. „Und wenn er morgen einen Bauantrag einreicht, werden wir den wohlwollend prüfen und sofort bearbeiten. Ich habe allerdings den Eindruck, dass er nicht in der Lage ist, das Projekt zu stemmen.“
