Jedes Schaf klingt anders. Zumindest in den Ohren von Franz Eikermann, der jeden Tag mit seinen 700 Tieren verbringt. „Die Jungtiere erkennen ihre Mutter am Geruch und an der Stimme“, sagt der Schäfer. Ein Glück, denn in seiner Herde herrscht derzeit ein ganz schönes Durcheinander. Jeden Tag kommen rund 15 Lämmchen auf die Welt, und die Mischlingshunde Kora und Mandy haben gut zu tun, die Tiere zusammenzutreiben.
Der 55-Jährige ist einer von fünf Schäfern, die in der Millionenstadt ihre Tiere weiden lassen. Im Gegensatz zu seinen Kollegen bekommt der Landwirt aus Heinsberg sogar Geld dafür, seine Moorschnucken halten städtische Biotopflächen kurz. Damit Weiden- oder Pappelsträucher nicht zu sehr austreiben, hat er auch einige Ziegen in der Herde. Im März grasten die Tiere im Nüssenberger Busch, seit einigen Tagen am Molenkopf am Niehler Hafen. Und sie leisten ganze Arbeit: Acht Kilogramm Gras verdrücken die „mähenden“ Vierbeiner pro Tag.
Seit vier Wochen werfen die Schafe Jungtiere, und der agile Jugendclub hält die Herde seitdem ganz schön auf Trab. Auch zwei Zwillingspärchen waren diese Woche dabei, für Eikermann das Zeichen, das Wochenbett auf dem heimischen Hof herzurichten.„Sonst würde das eine Lamm die Milch leer trinken und das andere verenden.“ Damit auch die Mutter beide Tiere im Blick behält, wird auf dem Heinsberger Hof zugefüttert: Drei Mal am Tag gibt es das Fläschchen. „Wir päppeln die Tiere schon auf.“ Erst nach zwei, drei Tagen darf die junge Familie wieder Kontakt zu anderen Schafen aufnehmen, zurück in die Herde geht es eine Woche später.
In der Regel ist das Lämmerleben recht kurz und endet als Braten auf dem österlich dekorierten Tisch. Mit einem Jahr haben die Tiere Schlachtreife, mit anderen Worten: Dieses Jahr gibt es die Neugeborenen der vergangenen Saison.
Franz Eikermann ist Schäfer in der vierten Generation, auch sein Sohn ist schon in der Ausbildung. „Man muss die Schafe lieben“, sagt er, „sonst kann man das nicht machen.“ 14 bis 16 Stunden am Tag ist er mit den Tieren beschäftigt. „Dafür gibt es niemanden, der mit der Stoppuhr unterwegs ist. Es ist ein freies Leben, es ist niemand da, der treibt.“ Außer Kora und Mandy natürlich.
