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Freya Gräfin von MoltkeHeimkehr in die Kindheit

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Mechernich – Freya Gräfin von Moltke, Gattin des 1945 hingerichteten NS-Widerstandskämpfers Helmuth James Graf von Moltke, starb am 1. Januar im Alter von 98 Jahren in Norwich im US-Bundesstaat Vermont. 1989 wurde sie mit dem Geschwister-Scholl- Preis geehrt. Was die wenigsten wissen: Die Gräfin verbrachte einen Teil ihrer Jugend im Haus Hombusch in Mechernich, das heute Dietrich Graf von Nesselrode und seiner Frau Friederike gehört. 1992 stand die große Persönlichkeit wieder vor der Tür.

„Ich habe mich immer für die Vergangenheit des Hauses interessiert“, sagt Dietrich Graf von Nesselrode. So versuchte er auch, den Kontakt zu früheren Besitzern aufzunehmen. Der erste Besitzer hieß Carl Theodor Deichmann (1866 - 1931). Er war Mitinhaber des 1848 gegründeten Bankhauses Deichmann & Co. in Köln. 1907 kaufte er vom Mechernicher BergwerksActien-Verein das Waldgut Hombusch einschließlich der Feyermühle und des Holzheimer Waldes. 1908 ließ er das Haus Hombusch, benannt nach dem Wald Hombusch, und das Wasserradgebäude in Burgfey errichten.

Eine Verwandte vermittelte Graf Nesselrode den Kontakt zu der in den Staaten lebenden, 1911 geborenen Freya Gräfin von Moltke, der Tochter Deichmanns und seiner Frau Ada. Der Graf schrieb ihr einen Brief und wollte erfahren, wie das Haus früher ausgesehen habe. Gräfin Moltke antwortete schnell: „Ich habe wunderschöne Kindheits-Sommerwochen auf dem Hombusch erlebt. Diese, mit ihren wunderbaren Gerüchen von Kiefern im Sonnenlicht und Phlox in Blumenbeeten, von Äpfeln und Brombeeren und von mir selbst auf einer der Steinkugeln am Einfahrtstor sitzend und singend, werden mir unvergesslich sein. Aber ich war noch sehr jung, als mein Vater den Besitz verkaufen musste und ich weiß wenig zu dem zu sagen, was Sie erfahren möchten.“

Graf von Nesselrode erfuhr, dass die Jagd und der Reitsport zu Deichmanns Passionen zählten. Mit dem Haus Hombusch wollte er sich einen repräsentativen Landsitz schaffen, den ihm der bekannte Berliner Architekt Paul Baumgarten entwarf. „Der Architekt war derselbe“, schrieb Gräfin Moltke, „der das Haus meiner Großeltern bei Münstereifel gebaut hat. Giersberg heißt das. Ich erinnere mich, dass meine Eltern fanden, dass das Hombuscher Haus doch noch schöner sei als das meiner Großeltern.“

Über eine entfernte Verwandte kam es 1985 zu einem ersten Treffen von Graf Nesselrode und seiner Frau mit Gräfin von Moltke, als ihr in Bonn die Thomas-Morus-Medaille verliehen wurde.

Schon in seinen Schreiben hatte Graf Nesselrode von Moltke angeboten, in Mechernich vorbeizuschauen. 1992 kündigte sie kurzfristig telefonisch an, dass sie komme. Am 17. Mai war es soweit. Die damals 81-Jährige ließ sich von Graf Nesselrode drei Stunden lang jeden Winkel des Hauses zeigen. Einige Tapeten aus der Bauphase waren noch vorhanden. Wie sich später herausstellte, waren sie mit Zeitungen an die Wand geklebt. Als die Tapeten entfernt wurden, konnte Graf Nesselrode Zeitungsartikel aus dem Jahr 1908 lesen.

Freya Gräfin von Moltke erkannte einige Gegenstände wieder. Viel war nicht übrig geblieben, denn Carl Theodor Deichmann musste sich 1928 von Haus und Wald trennen. Infolge der Inflation war Deichmann gezwungen, seinen Mechernicher Besitz zu verkaufen. Auch der größte Teil des Inventars wurde damals veräußert. Vor allem die Veränderungen im Garen hinter dem Haus faszinierten von Moltke. Die streng angelegten Kieswege und Rabatte, die von einem Gärtner gepflegt wurden, waren 1992 längst verschwunden und alles sah viel naturnaher aus. Früher habe man vom Haus aus hinab nach Mechernich schauen können, erinnerte sie sich. Dies war zur Zeit ihres Besuches längst nicht mehr möglich. Wald versperrte die Aussicht.

Graf Nesselrode zeigte Gräfin Moltke auch das Kraftwerk unten an der Straße. „Das hat sie staunend angeschaut“, erinnert er sich. Gräfin Moltke habe sich nicht mehr an diese Einrichtung erinnern können.

Graf Nesselrode hat von einem Postkartenhändler eine Ansicht des Hauses aus dem Jahr 1913 erstanden. Im Vordergrund steht ein Mann, der eine kleines Mädchen im Arm hält. Graf Nesselrode geht davon aus, dass es sich um Freya und ihren Vater handelt. Auf dem Bild sind die Kieswege zu sehen. Wenn Graf Nesselrode gemäht hat, kann er an den grauer wirkenden Grasstücken heute noch erkennen, wo sich einst die Wege befanden.

Nach dem Besuch wurde der Briefwechsel eine Zeit lang aufrechterhalten, aber wegen des zunehmenden Alters der Dame riss er schließlich ab.

„Ich habe Freya Gräfin von Moltke als eine ungeheuer nüchterne und realistische Person in Erinnerung“, sagt Dietrich Graf von Nesselrode.