RHEIN-SIEG-KREIS. Die Angebote zur Kreissparkassenfusion liegen auf dem Tisch. Und vielleicht wird heute im Kreistag auch einmal im direkten Schlagabtausch argumentiert und die Gegenseite, wenn die Argumente denn falsch sind, vorgeführt. Bisher hat’s daran gemangelt.
Was klar auf dem Tisch liegt, sind die Angebote der Sparkasse Bonn und der Kreissparkasse (KSK) Köln, die bei der Mitgift etwas mehr bietet (höhere Ausschüttung, höheres Stiftungskapital, mehr Geld / Aufstiegschancen für Mitarbeiter usw.). Unter anderem deshalb haben sich CDU und Grüne mit ihrer satten Mehrheit auch schon für Köln entschieden, so wie die Personalvertretung der Kreissparkasse und auch der KSK-Verwaltungsrat am Mittwoch mit zwölf gegen drei Stimmen (von der SPD), die FDP ist nicht darin vertreten.
Über die größere Erfahrung der Kölner zur Wirtschaftsförderung in Landkreisen und den „richtigen Partner“ zur regionalen Zusammenarbeit lässt sich dagegen politisch ganz gut streiten, und ist im jahrzehntelangen Nachbar-Clinch zwischen Bonn und Siegburg Übung. Aber es gibt noch einen anderen Grund.
In den 90er Jahren erschütterte der Skandal um den Siegburger Immobilienmakler Norbert Klein die KSK Siegburg. Die Miesen wurden nicht steuerbegünstigt als Verlust ausgewiesen, sondern das Eigenkapital bemüht. Das ist mit ein gewichtiger Grund, wenn heute immer von der geringen Eigenkapitaldecke die Rede ist. Sie stelle ein Risiko für eine längerfristige weitere Eigenständigkeit dar, meinen entgegen der FDP sowohl CDU und Grüne wie auch die pro Bonn votierende SPD. Was ist, wenn Vergleichbares noch einmal passiert, oder in der andauernden Wirtschaftskrise größere Kreditnehmer ausfallen? Dann wäre man nicht in der Lage, wie heute mit verschiedenen Partnern die beste Mitgift heraus zu handeln, sondern würde ganz einfach von einem größeren Institut geschluckt, das dann frei Personal und Filialen wegrationalisieren könnte. Deshalb sehen sich die Fusionsfreunde auch zur Eile gedrängt. Selbst wenn die SPD in ihrer Not, das Blatt noch pro Bonn zu wenden, erstmal für eine längere Aussetzung der Entscheidung plädiert. Die CDU sieht sich für solche (Millionenaus-) Fälle bei der drittgrößten öffentlich-rechtlichen Sparkasse Deutschlands, der KSK Köln mit 15,8 Milliarden Euro Bilanzvolumen, besser aufgehoben. Weil bei dieser Größe, so meinen einige CDU-Leute, ein Ausfall wohl auch besser zu verkraften sei als bei der Bonner Sparkasse mit bisher 5,7 Milliarden Umsatz.
Josef Hastrich (45) hat als Vorstandschef der KSK Siegburg (Bilanz 5 Milliarden Euro) das Angebot, bei einer Fusion Vize-Vorstandschef bei der KSK Köln zu werden. Weil deren Vorsitzender Hans-Peter Krämer 62 Jahre alt ist, besteht die Chance für Hastrich, bald auf den Chefsessel in Köln zu kommen. Und ein Vertrauensmann für Kühn an der Spitze der großen KSK Köln mit dann 21 Milliarden Umsatz wäre ein Schmankerl für den Rhein-Sieg-Landrat. Mehr aber auch nicht. Denn erst vor wenigen Jahren kam Hastrich aus Köln (von der Stadtsparkasse) nach Siegburg und geht jetzt zurück nach Köln, wo er sich die Finger verbrennt, wenn er nicht alle vier Landkreise gleich behandelt.