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Für einen Apfel und ein Ei

3 min

ERFTSTADT.„Tach, was geben Sie für das Ei?“

Wie die Sternsinger, nur mitten im Sommer, hat eine Gruppe Kinder an einer Haustür in einer gutbürgerlichen Wohngegend von Erp geklingelt. Die Bewohnerin, eine ältere Dame, schaut verblüfft - und will die Geldbörse zücken. „Stopp“, ruft Christian Kirchharz vom Gartenzaun aus laut dazwischen. Die Jugendlichen, die mit der Kindergruppe in Erp unterwegs sind, helfen mit Erklärungen aus. „Na, da ist Geld ja wirklich nicht angebracht“, meint die Frau an der Haustür, jetzt schon wesentlich aufgeschlossener, und verabschiedet sich für einen Moment in die inneren Räume.

Tauschaktion

von Tür zu Tür

Sie kommt zurück mit einer Packung lustiger Tüten, auf der eine beliebte Comicfigur abgebildet ist. Das Ei (gekocht) bleibt bei ihr, die Tüten gehen mit auf Wanderschaft.

An der nächsten Haustür soll ein Apfel getauscht werden. Da die Kinder auch dort ihr Anliegen noch etwas verstottert hervorbringen, vermutet die Angesprochene, dass Geld verlangt werde. Abermals müssen die Betreuer dieser etwas anderen Ferienspiele den Kindern ein bisschen vorsagen. Schließlich wechseln Apfel und Eier-Spätzle die Besitzer.

Ein paar Haustüren weiter haben die Kinder den Bogen heraus. Alina und Desideria, beide neun Jahre alt, erweisen sich als gute Wortführerinnen. „Guten Tag, wir machen eine Tauschaktion. Wir sind eine Gruppe von ,Ferien zu Hause . Das ist ein Spiel, bei dem die Gruppe gewinnt, die möglichst viele originelle Sachen beim Tauschen bekommt.“ Das leuchtet den Erpern ein, und es weckt den Ehrgeiz, mitzumachen. Die Spätzle-Tüte geht weg gegen Haferflocken, das zweite Ei gegen einen Teddy und ein Nudel-Fertiggericht.

An einer der letzten Haustüren, die sich öffnet, erwischen die Kinder eine Glückssträhne. Eine Mickey-Mouse-Dose, die dazugehörigen Kekse und ein Glas mit Aufdruck sind der Dame das zum Tausch angebotene Nudelgericht wert. Sie schaut den Kindern hinterher, und als die zurückkommen mit einer gegen die Comic-Tüten getauschten Schubkarre, aber noch die Haferflocken loswerden wollen, da schickt sie ihre Putzhilfe ins Haus, um einen Schrubber zu holen. „Da müsst ihr nur einen Nagel reinhauen, dann sitzt die Bürste wieder fest“, empfiehlt sie auf Erper Platt.

„Ferien zu Hause“, das ist neu im Kreis und neu in dem Dorf, in dem Ferienangebote für Grundschulkinder, auch aus den Nachbardörfern, nicht üppig gesät sind. Hergeholt hat das Angebot der ehemaligen katholischen Jugendämter, die inzwischen alle zur katholischen Fachstelle für Jugendpastoral und Jugendhilfe zusammengefasst sind, das Kernteam des Weltjugendtages aus dem Pfarrverband Erftstadt-Börde. Die WJT-Kernteamer suchten nach einer neuen Aufgabe.

Christian Kirchharz ist der Sprecher, wirkt aber wegen seiner derzeitigen Jura-Klausuren nur am Rande mit. Die Fäden laufen bei dem Diplom-Pädagogen Hans-Hubert Keller zusammen. Standort ist die seit Jahren leer stehende weiträumige frühere Allianz-Bildungsstätte an der Hochstraße. Dort bekommen die 43 Kinder eine Woche lang täglich von 10 bis 17 Uhr Gelegenheit, sich auszutoben, zu basteln oder einfache Spiele ohne Technik und teure Geräte, aber mit viel Handeln und Reden zu erleben - wie eben das „Apfel-und-Ei-Tauschspiel“.

Da alle Betreuer ehrenamtlich arbeiten, die Allianz ihre Anlage zum Betriebskostenpreis von rund 100 Euro überließ und das Erzbistum etwas dazu getan hat, kostet die einwöchige Teilnahme je Kind nur zehn Euro. Kaum bekannt gegeben, war das Angebot auch schon ausgebucht. Nun hoffen Keller und die Kernteamer, dass die „Ferien zu Hause“ in Erp zur festen Einrichtung werden.

Siegessicher, weil sich wohl niemand sonst so etwas Originelles wie eine Schubkarre eingehandelt hat, kehrt die Gruppe nach der vereinbarten Zeit von einer knappen Stunde an den Standort zurück. Doch da wartet eine Überraschung: Eine Gruppe hat ein Hirschgeweih ergattert, das den Bohrlöchern nach zu urteilen einst ein Erper Wohnzimmer schmückte.