Nur höchst selten käme mal eine Frage aus Rathaus oder Kommunalpolitik, wie denn dies und jenes zu seiner Zeit als Verwaltungschef gelaufen sei, sagt Heinz Bernward Gerhardus. Vor zehn Jahren ging er als Stadtdirektor von Troisdorf in den Ruhestand, nachdem er 30 Jahre an vorderster Stelle die Geschicke der Stadt und der Vorläufergemeinde Sieglar bestimmt hatte.
Er fände es auch nicht passend, sich jetzt mit eigenen Ideen ins kommunalpolitische Geschehen oder Verwaltungshandeln einzumischen. Andere haben jetzt das Sagen und die Verantwortung, stellt er sehr gelassen im Gespräch mit der Rundschau fest. Und da spiele es auch keine Rolle, dass er mit dem jetzigen Bürgermeister Manfred Uedelhoven befreundet sei, der zu seiner Stadtdirektorzeit noch Beigeordneter war.
Der 72-Jährige, der ob seines Fleißes und preußischen Pflichtbewusstseins bekannt war, klingt zufrieden: Ich fühle mich sehr gut. Nach der Pensionierung hat er noch ehrenamtlich gearbeitet, war II. Vorsitzender der Troisdorfer CDU und bis November II. Vorsitzender im Kirchenvorstand, vor Weihnachten diskutierte er im Verwaltungsrat des Sieglarer Krankenhauses mit, als es um die Neuordnung des Krankenhauswesens ging, aber die größte Rolle in seinem Leben spiele nun uneingeschränkt die Familie, betont er. Zwei Töchter und zwei Söhne hat er mit Ehefrau Rosemarie (72) und vier Schwiegerkinder. Als er pensioniert wurde, war er noch nicht Großvater, mittlerweile hat er zehn Enkelkinder, quasi eins für jedes Ruhestandsjahr, das jüngste ist vier Wochen alt. Oft trifft sich die Familie und passen die Großeltern auf die Enkel auf, für die sie im Garten ihres Sieglarer Hauses auch Spielgeräte stehen haben.
An die Zeit als Gemeindedirektor von Sieglar ab 1963 und als Stadtdirektor von Troisdorf 1969 bis 1993 erinnert sich Gerhardus gerne, obwohl ihm zeitweise die SPD-Mehrheit zu schaffen machte, die aber später voll hinter dem Christdemokraten stand, weil sie ja schließlich als gemeinsames Ziel die Entwicklung der Stadt hatten. Und in Gerhardus' Amtszeit fielen da fast alle wichtigen Entscheidungen zur Infrastruktur und Stadtgestaltung. Gemessen an der heutigen finanziellen Lage, haben wir damals aus dem Vollen geschöpft, sagt er und erinnert sich etwa an die Kritik der Kommunalaufsicht wegen der Kosten für den Kauf von Haus Rott mit 107 Hektar Land. Dabei habe man damals nur zehn Mark pro Quadratmeter gezahlt. Heute koste der Quadratmeter dort 200 bis 300 Euro. Die Stadt konnte damit vielen Bürgern nach dem Motto Wir drücken die Baulandpreise günstige Angebote machen. Gerhardus: Das war die segensreichste Investition.